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Im Tal des Todes : Zeichnungen / von Leah Grundig ; Einleitung und Text von Kurt Liebmann
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,, Verflucht sei jener, der seine Augen schließt, um nicht zu sehen!" ,, Verflucht sei jener, der seine Ohren schließt, um nicht zu hören!" ,, Verflucht sei jener, der seine Hilfe verweigert!"

Dies sei nicht ein einmaliger Schrei, ein Ruf an die Menschheit aus dem Jahre des Unheils 1943.

Es ging nicht allein um die Vernichtung von 6 Millionen Juden.

25 Millionen unschuldige Menschen sind in den Nazitodeslagern ermordet worden.

Dürfen die Deutschen diese Tatsache vergessen?

Die Natur hat den Menschen als Heilung das Vergessen gegeben.

Aber wehe, wenn ein Volk das Furchtbare seiner Geschichte gar nicht erst in sich aufnimmt und daher auch nicht vergessen kann. Wenn es nicht zum Bewußtsein seiner Schuld kommt. Wenn es nicht Scham empfindet über die Verbrechen, die es duldete.

Ein Vergessen ist nur dann fruchtbar, wenn es den Menschen verwandelt. Die Verwandlung kann nur vor sich gehen, wenn der Mensch unerschrocken seinen Irrweg bekennt.

Wenn er ein geläutertes neues Leben beginnt.

Wenn er wachsam ist und dafür kämpft, daß sich eine derart wahn witzig verbrecherische und barbarische Katastrophe, wie sie von Leah Grundig dem Gedächtnis der Menschheit eingeprägt wurde, niemals wiederholt.

Dresden , im März 1947

Kurt Liebmann

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