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Die Flucht : als KZ-Flüchtling durch fremdes Land / Willy Kreuzberg
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auf den Abend zugehen? Habe ich Stunden geschlafen? Bemerkbar mache ich mich nicht, denn sicher will er mich wegschicken. Morgen früh nehme ich Abschied. Heute will ich mich ausruhen. ,, Richtiggehend" ausruhen. Da der Patron keine Antwort auf sein Rufen erhält, schiebt er die Torflügel zusammen und hängt ein Schloß vor. Soll er, nun bin ich bis morgen früh ungestört. Wo werde ich mich hinwenden? Wenn mir nur die Front bekannt wäre. Wie leistet der Deutsche Widerstand, wo drücken die Alliierten zuerst vor, wann sind sie hier? Alles Fragen, die mein weiteres Handeln beeinflussen. Fünfzig bis sechzig Kilometer entfernt liegt Valenciennes . Es ist eine ausgesprochene Industriestadt. Eine Stadt, die von jeher eine klassenbewußte Arbeiterschaft hat. Bis dorthin will ich zielklar wandern, dann überlasse ich das Weitere dem Zufall.

Die Anspannung von Geist und Körper, dieses ewige Aufpassen, immer auf dem Sprung sein, wirkt sich doch aus. Wenn für einige Stunden eine gewisse Sicherheit ge­geben ist, reagiert der Körper, und alle Glieder ent­spannen sich.

Die Pfeife ist ausgebrannt, die Asche sorgsam verwahrt, der Eingangsballen kommt wieder vor die Höhle, und schon wird weitergeschlafen.

Na ja, da liegt der Tag wieder vor mir. Was wird er bringen?

Es tut mir leid, daß ich hier nicht bleiben kann. Hunger brauchte ich nicht zu befürchten. Ich kann den Holländer wohl verstehen. Es hängt eben jeder an seinem Leben. Und die Gestapo mit ihren Agenten ist erbarmungslos im Verfolgen und Martern.

Leises Stimmengemurmel ertönt im Hofe. Ich riskiere einen Blick durch das Scheunentor. Aha, da steht der Chef im Gespräch mit einem Arbeiter. Wie mache ich mich nun für ihn bemerkbar? Vorsichtig schiebe ich meine Hand durch den Türspalt, und als sein Blick zur Scheune schweift, winke ich leicht. Prima! Er sieht, daß ich noch da bin. Wenige Zeit später öffnet sich das Tor. ,, Ja, sagen Sie mal, Sie sind noch da? Gestern abend habe ich hier gestanden und in einem fort gerufen. Sie sollten zum Abendbrot ins Haus kommen. Da Sie sich nicht ge­meldet haben, dachte ich, daß Sie weitergezogen seien."

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