-

-483­

denn er war des Geplänkels und Beschauens recht über­drüssig geworden: ,, Wollen Sie mir bitte sagen, was Sie mit mir vorhaben!"

,, Ich begreife Ihre Ungeduld, verehrter Herr Oberst- aber bitte noch einen Augenblick um Nachsicht!" Der Beamte lächelte geheimnisvoll und drückte mit dem Zeigefinger auf einen Klingelknopf. Den eintretenden Sekretär wies er an: ,, Sagen Sie den Herren auf Zim­mer 27, daß Herr Oberst Jordan aus München bei mir ist, aber etwas beschleunigt bitte!"

Das Wenige sprach er mit einer geschmeidig lügne­rischen Stimme. Mit einem stummen Nicken ver­schwand der Untergebene. Berts Antlitz dagegen zuckte auf wie unter dem Stich einer Sonde... also noch andere waren damit befaẞt! Von den verschiedensten Vermutungen gequält, trat er auf eine Fensternische zu und schaute durch die Scheiben auf eine lange, öde Hausfassade gegenüber. Einen Augenblick weilten seine Gedanken bei Iřina; aber dann verwischte sich sein Denken sofort wieder, und sein Herz krampfte sich im Gefühl eines brennenden Verhängnisses zu­

-

sammen. Wie fragte er sich, wenn ich hier in eine Falle ge­gangen wäre? Hätte ich nicht besser die Vorladung mit einer Banknote im geschlossenen Kuvert zurück­schicken sollen, statt wie ein ehrlicher deutscher Tölpel ihr Folge zu leisten und den Kopf selbst in die Falle zu stecken?

Während Bert derart im Ungewissen wartete, be­reitete sich ein Übergriff gegen das internationale Recht vor, unter dem Hakenkreuz schon nichts Seltenes mehr.

-

Die Tür zum Nebenzimmer wurde plötzlich heftig aufgerissen und herein traten zwei Männer. Herren konnte man sie mit gutem Gewissen nicht nennen. Beide hielten die schußbereite Pistole in der Hand. Es hätte des kleinen schwarzen Knopfes mit dem SS.- Zeichen in ihrem Knopfloche nicht bedurft, um Bert erkennen zu lassen, wen er vor sich hatte...

31*