Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen

-

409

-

Fenster verdunkelt sind. Ruhig und sicherlich längst verlassen liegt es da. Hernach kommt der in die Erde versenkte Luftschutzkeller, natürlich nur für die Truppen der SS. vorgesehen, nicht für die Häftlinge. Wozu für diese auch ein Schutz?

Hinsichtlich der Richtung marschiert Bert nun mit hallendem Tritt auf die langgestreckte Gerätekammer zu, die von der hohen SS. - Kaserne hinter ihr überragt wird. Zwischen beiden liegt rechter Hand ein eisernes Tor, wie er weiß, als Passage aus dem äußeren Lager zum Exerzierplatz der SS. - Rekruten, nahe dem großen Garagenbau, auf dem tagsüber tausende von Häft­lingen aller Professionen arbeiten. Diese eiserne Pforte zu passieren, liegt in Berts Plan.

Aber davor steht ein Posten unter Gewehr, verflixt nochmal man kann seine Silhouette, den Stahlhelm auf dem Kopf, die Maschinenpistole umgehängt, schon von weitem sehen.

Mit voller Absicht zieht Bert nun sein Schnupftuch heraus und schneuzt sich recht vernehmlich. Dann bleibt er kurz stehen und nimmt eine Zigarette aus seiner Dose, brennt sie an und geht weiter, wobei er sich den Wildlederhandschuh über die Linke streift.

Ein

Also beschäftigt, die brennende Zigarette im Munde, tritt er an den ihn erwartenden Posten heran. solches Hindernis flößt ihm jetzt gar kein Bedenken ein. Denn darin: sich zu verstellen und fremde Rollen zu spielen, hat er in seinem Berufe, dem Nachrichtendienst, reichlich genug Gelegenheit zur Übung gehabt.... War sein Tun bisher eine Flucht gewesen, so beginnt nun quasi die Hochstapelei und die braucht er kaum zu fürchten. Schließlich ist ja auch die Not stets von be­fruchtendem Einfluß auf die menschliche Erfindungs­gabe.

-

Er hebt die Rechte flüchtig zum Deutschen Gruß empor, den der Posten erwidert. Dann zieht Bert lässig die Cellophanhülle mit dem Ausweis des Scharführers aus der Manteltasche und greift so, als ob er sie dem Posten hinhalten wolle, mit der Linken nach seiner Dose und läßt