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hält, um es besser zu tarnen, entdeckt er nicht-- und mit flotten Tritten treibt er sein Velo im Takt der Melodie voran.
Wieder ist eine große Gefahr vorbei. Bert malt sich gedankenschnell aus, was ihm zu tun verblieben wäre, wenn ihn der Lagerpolizist bei der Kletterei betroffen hätte... so gut er an sich mit ihm stand, wäre eine Meldung dennoch niemals zu vermeiden gewesen- oder ohne weiteres eine Kugel.
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Nun sind seine Nerven so angespannt wie die Saiten einer Geige. Nur jetzt keinen Fehler aus Übereilung machen! Mit verhaltenem Atem, die Augen weit offen, lauscht er- in der Ferne schallt der Anruf, mit dem der Scharführer die Wachposten auf den einzelnen Türmen anruft, um sich ihnen kenntlich zu machen und ihre Meldungen zu empfangen, bis zu ihm herüber.... Und da kommt das sorglose, leise Pfeifen schon wieder auf ihn zu, ebenso das Knirschen der Gummiräder auf dem Kies einer Blockgasse.
Zwischen zwei Baracken taucht der blonde Lagerpolizist wieder auf. Er hat seine Runde durchs Kz vollendet und wohl alles in Ordnung gefunden... nun fährt er, statt stracks dem Ausgang der Straße zuzuhalten, noch zu seinem Vergnügen eine lässige 8 quer über die Straße, als wolle er noch etwas pausieren, gerade hier, wo der Flüchtling steckt als lasse ihn ein geheimes Gefühl vermuten, daß doch nicht alles so , o. k.' sei, wie man im Kz gewöhnt ist zu sagen. Und zu pfeifen hat er aufgehört, als lausche er einer Stimme im Inneren... es ist eine arg bange Sekunde für Bert, dies zu beobachten. Seine Zähne schlagen aufeinander wie im Fieberfrost....
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Doch dann siegt wohl in dem jungen SS.- Mann das Verlangen nach der warmen Wachstube im Haupttor und einer unterbrochenen Tarockpartie vielleicht--wie dem auch sein mag, er dreht jedenfalls ruckartig um und radelt scharf dem Appellplatz zu, dabei weder nach links, noch nach rechts schauend. Und das Lager der Gefangenen sinkt wieder in seine tiefe Stille zurück.


