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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Am anderen Morgen fand nach Tibbu-Tipps uner- schütterlichem Prinzip die öffentliche Auspeitschung des armen Kroaten statt. Seit Christi Himmelfahrt war es die erste Wiederholung dieses scheußlichen Aktes, für Bert die rechte Abschlußszene seiner Tage im Lager, um ihn das entsetzliche dieser Zustände nicht vergessen zu lassen.

Hoffmann, der Lagerelefant, lebte sich dabei wieder so recht aus. Den kläglichen Burschen packen und herumstoßen, mit der Faust ins Gesicht schlagen und endlich auf den Bock zwängen, den der Henker Bernhardt schon bereit hielt, das entsprach vollauf seinem Wesen, der Verkörperung des alten Dachauer Geistes.... Aber gottlob war auch der Chefarzt wie ein Schutzgeist zur Stelle und trug eine Miene zur Schau, als habe er ohnehin erst nach langem Kampfe seine Zu- stimmung zu der Exekution gegeben.

Und was konnte der ausgemergelte Körper des Ge- quälten schon aushalten? Er schrie bis zum fünften Doppelschlage noch, dann war er stumm. Beim 20. Dop- pelhieb schritt der Chefarzt ein und gebot Abbruch der Mißhandlung, zum sichtlichen Kummer von Hoffmann. ... Die Scharführer banden den Bewußtlosen, an dessen Beinen das hellrote Blut herunterrann, vom Bock los und ließen ihn einfach zu Boden gleiten, als Bernhardt mit seinen Instrumenten davonschritt.... So lag der Ärmste mit ausgestreckten Armen und verglasten Augen in seiner Blutlache, während die Mannschaften an ihm vorbei und über ihn hinweg zu ihren Kommandos eilten, wie der Befehl gelautet hatte.

Bert stand mit Charly Ziounek, dem klugen Jour- nalisten, soweit wie möglich hinten und flüsterte ihm ins Ohr:Zum Glück ist das die letzte Auspeitschung,

» die ich mit ansehen muß! Ein Gefühl saß ihm in der Brust, als müsse ihm der Atem versagen; doch war er fest entschlossen, auch für diesen Getreuen etwas den Vorhang zu lüften, der seine nächste Zukunft verhüllte, um ihn nicht irre an ihm werden zu lassen.

Ja, walte Gott , daß es so wäre, flüsterte Charly