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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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beschweren. Er hielt es bei ihnen mit der gleichen Methode, die er früher zur Disziplin seiner Truppe an­gewandt und mit der er die Zuneigung der Mannschaft soweit gewonnen hatte, daß sie für ihn durchs Feuer ging. Bald gab es bei den Uneingeteilten nur die eine Meinung: Unser Obercapo ist Klasse!' Das war im ganzen Lager kein Geheimnis. Bei ungefügigen Ele­menten war der kurze Hinweis völlig ausreichend: ,, Wollt ihr mich von der anständigen Seite kennenlernen oder von der scharfen? Ihr habt die Wahl! Ich warte noch zehn Minuten, aber nicht länger, und will dann sehen, was ihr euch ausgesucht habt... ihr sollt stets nach eurem Wunsch behandelt werden!" Kein weiteres Wort war mehr nötig- Tibbu- Tipp oder Rämmele sahen mit Befriedigung, daß Berts, Betrieb rollte'.

Ein sympathischer Zug im Charakter des Lager­leiters war es auch, daß er den Häftlingen, besonders den , Roten' gestattete, Musik zu pflegen und sich Instrumente, wie Geigen und Ziehharmonikas von den Angehörigen schicken zu lassen. War die Musik, die alsdann am Feierabend aus den guten Blocks ertönte, auch nur primitiver Art, so munterte sie dennoch auf und nahm dem Dasein wenigstens zum Teil sein allzu trübseliges Gepräge. Es fand sich allmählich auch ein kleines Streichorchester an den Wochenenden zusammen, das bescheidene Programme aufstellte und sogar sich heraus­nahm, zu einer Veranstaltung am Erntedankfest die Lagerleitung zu Gaste zu laden.

Tibbu- Tipp und eine große Zahl von Scharführern fanden sich tatsächlich ein. Es wurde musiziert und Couplets kamen zum Vortrag. Endlich trat auch ein Scherzredner aus München auf, der sich folgende nette Anspielung erlaubte:

Der Privatier Aloys Bierdimpfl aus München hat das Zeitliche gesegnet und klopft an die Himmelstür, um den heiligen Herrn Petrus bescheiden um Einlaẞ zu bitten. Petrus blättert in seinem großen Verzeichnis nach für alle, die zum Himmel Eintritt haben, kann aber den Verstorbenen nicht finden. Er schüttelt den Kopf und