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morgens und mittags die Leute in geordneten Gliedern auf und zählen sie ab. Darüber führen Sie Buch mittels eines besonderen Schreibers. Sodann beschäftigen Sie die einzelnen Gruppen von je 200—300 Mann während der Arbeitszeit, und zwar lassen Sie einen Teil exerzieren, den anderen Lieder einüben, denn die Singerei, die mir
“ am Herzen liegt, sieht übel aus; ein Teil der Leute kann
Freiübungen machen, ein weiterer Ehrenbezeugungen üben, die Ausländer sollen durch ihre Dolmetscher in deutschen Kommandos instruiert werden— und schließ- lich immer passende Leute zur Aushilfe oder zum Nachschub für andere Kommandos bereithalten....“
Er hielt einen Augenblick nachdenklich inne, um dann fortzufahren: ‚Das alles wird ausreichend Arbeit und Organisationstalent erfordern, zumal bei Besuchen von auswärts, wie sie jetzt häufig vorkommen werden, besondere Umstände eintreten... daher erwarte ich, daß Sie stets in gutem Einvernehmen mit dem Lager- ältesten vorgehen und mit ihm Hand in Hand arbeiten —— das genügt als vorläufige Instruktion!“
‚Ich danke Herrn Hauptsturmführer und werde die Beförderung rechtfertigen!‘ erwiderte Bert kurz und straff. Unter früheren Umständen hätte er hinzugefügt: ‚mit Freuden‘. Aber seine gegenwärtige Verfassung ver- wehrte es ihm, sich bereitwillig zu zeigen. Seit dem Be- suche zu Hause konnte er sich nicht mehr in die Lager- zustände einfügen, mochte ihn die Gunst des Leiters auch in eine allseitig. beneidete Stellung versetzen. Überall grinste ihm das Phantom der Aufgehängten am Pfahl, der Geschlagenen auf dem Bock, der nächtlich Erdrosselten im Waschraum der Blocks entgegen... er sah nur noch das Drohende, Gefährliche, Dämonische des Lagerbetriebes, das gewissenlose Schindluder, das hier mit Leib und Leben von Landsleuten durch die SS. getrieben wurde— und Ifinas flammende Beschwörung: ‚Du mußt. von dort heraus, du mußt es nun aus unserem eigenen Wollen, wenn du nicht bald ganz zugrunde gehen willst...‘ verfolgte ihn früh und spät.
Seine Leute freilich hatten sich über ihn nicht zu


