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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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,, Leider siehst du nicht falsch, armer Kerl!" wand sich der Baumeister unter dem Unbehagen der schlech­ten Nachricht. ,, Ich hätte wohl deine Entlassung er­reichen können, wenn diese beiden Lagerstrafen von dir, in Flossenbürg die eine und die letzte hier, nicht gestört hätten. Nur Leute von einwandfreier Führung und Gefälligkeit im Angeben von Kame­raden so liegt es doch nun mal! finden Beach­tung... so lautet der Bescheid, der aus Berlin ge­kommen ist!"

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Eine Spanne Zeit des Stillschweigens trat ein, als er endete. Bert stand ihm mit verkniffenen Lippen gegen­über, als wäre es ihm zu verächtlich, ein Wort darauf zu erwidern.

,, Na ja", gestand Toni unter Achselzucken ,,, ich bin ja ebenfalls der Überzeugung, daß den Leuten dort deine Lagerstrafen sehr in den Kram gepaßt haben und eine Entlassung ohnehin abgelehnt worden wäre politischen Gründen!"

aus

Sehr gefaßt nahm Bert des Freundes Hand und drückte sie ihm herzhaft. ,, Laß es gut sein, Toni! Dir sage ich Dank für dein redliches Bemühen und werde es dir nie vergessen, wenn sich die Zeiten mal ändern! Nur darüber allein verlohnt sich zu reden.... alles, was von dem Gesindel da oben kommt o pardon, ich will natürlich deine Gefühle in dieser Hinsicht nicht verletzen, wie du weißt-

,, Mein Gott, alter Junge, es fehlt nicht mehr viel, daß ich sie genau so bezeichne, so weit ist es inzwischen mit meiner Erkenntnis schon gekommen... es ist mir spei­übel dabei zumute als Mann mit dem Goldenen Partei­abzeichen

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Von dem leidigen Thema abschweifend, bat Bert ihn nur noch, den Seinigen in Schwabing sein schützendes Augenmerk zu widmen, ohnmächtig, wie er selbst wohl noch geraume Zeit sein werde. Toni versprach es, ihm die Hand reichend und damit schieden beide Freunde, um sich nicht mehr wiederzusehen.

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