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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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,, Hm mehr als schwer zu sagen! Prophezeie nicht, sagen die Engländer, wenn du nicht mußt... aber ich habe das sichere Gefühl, daß es dem Deutschen so er­gehen wird, wie im Grimmschen Märchen der Fischers­frau, die sich immerfort was Besseres wünschte, bis sie endlich dort wieder ankam, von wo sie ausgegangen war und dann wäre es noch glimpflich!"

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Am gleichen Nachmittage ließ Schuhmacher die Arbeit Berts früher abbrechen und ihn in das Zellenhaus zurückführen, weil wichtiger Besuch eingetroffen sei. Naturgemäß drängte dieser in freudiger Eile hinüber, als er hörte, daß Toni Seidl auf ihn warte. Aber beim Anblick des Freundes stutzte er nicht minder, wie dieser selbst beim Erkennen der Entstellung in Berts Gesicht.

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Noch einmal mußte erzählt werden, was sich im Vor­hofe des Bunkers von Dachau abgespielt hatte- der alte Parteigenosse knirschte förmlich vor Empörung mit den Zähnen und gelobte: das wolle er an oberster Stelle berichten, damit einer Wiederholung ein für allemal ein Riegel vorgeschoben werde... aber der Freund winkte resigniert ab.

,, Exponiere dich lieber nicht unnötig! Abgesehen da­von, daß man sofort die Kriegsverhältnisse als hindernd für jede interne Änderung hinstellen wird, ist auch nie­mals daran zu denken, daß ein Wechsel im Kurs ein­treten wird, solange der Dämon eurer Bewegung, Heinrich Himmler , die SS. und die Kz- Lager unter sich hat. Erst wenn sich ein Siegfried oder St. Georg ge­funden hat, der diesen Lindwurm abwürgt, kannst du mit Erfolg den Finger auf die ärgsten Wunden legen vorher aber nicht!"

Und nochmals in der Miene des Besuchers forschend, fragte Bert: ,, Nun laß mich noch wissen, was du mir Fatales mitzuteilen hast, denn ich sehe es ja deinen Blicken an

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