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„In einzelnen Nebenzügen trete ich Ihrer Ansicht auch nicht entgegen. Wie Napoleon ist auch Hitler geradezu ein Krater an Ehrgeiz. Sie finden auch bei beiden das gleiche Rennen mit dem Kopf gegen die Wand, das stets Vollnaturen kennzeichnet. Aber die Napoleone wirken eben nicht schöpferisch, sondern kommen dem Gang der Geschichte nur dadurch ent- gegen, daß sie abräumen! Sobald sie darin ihre Stoß- kraft verbraucht und das beste Blut der Nation, die sie beherrschen, vergossen haben, hinterlassen sie ein freies Feld für die älteren, besseren Kräfte, die nur zu häufig in den Fehler heftiger Reaktionen ver- fallen....“
„Nun gut, aber weil Sie gerade von ‚beherrschen‘ sprechen, noch eine kurze Beobachtung von mir: ist es nicht merkwürdig, daß gerade diejenigen ein Volk völlig in ihre Hand bekommen, die nicht aus ihrer Mitte heraus geboren worden sind? So hat Napoleon das stolze Volk der Franzosen einzigartig auszunützen verstanden für seine teils guten, teils mörderischen Ziele, obwohl er als Korse viel mehr: italienisches Blut als französisches in den Adern hatte; desgleichen haben die Hohen- zollern als rein süddeutsches Geschlecht die Preußen unvergleichlich zu zügeln verstanden— und nun Adolf Hitler als Österreicher das Deutsche Reich unserer Gene- ration!“
„Diese Beobachtung ist gewiß interessant und ließe sich noch auf weitere Beispiele ausdehnen. Aber um auf die geschichtlichen Vergleiche mit Hitler zurückzu- kommen: vertiefen Sie sich, Herr Kommissar, einmal näher in die Geschichte Oliver Cromwells. Ich finde ‚darin wesentlich mehr Ähnlichkeit mit unseren heutigen Zuständen als mit der Gestalt und Epoche Napoleons . Auch Cromwell nannte sich ja ‚Lord-Protektor‘, was .dem Titel und der Stellung des ‚Führers‘ ziemlich genau entspricht, gleichermaßen sein Auftreten und Wirken....“
„Gut, Oberst, ich will Ihrer Ansicht folgen! Aber sagen Sie mir noch zum Schluß: was wird nach Ihrer Meinung das Ende sein?“


