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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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kannte im Wittelsbacher Palais . Am nächsten Morgen kam ihm Kommissar Schuhmacher in seinem Arbeits­zimmer noch freundlicher als damals entgegen und wollte ihm sogar die Hand reichen... bis er erschrocken in Berts Gesicht und auf die leblosen Arme sah willkürlich trat er einen Schritt zurück und fragte: ,, Was ist mit Ihnen geschehen, Oberst? Haben Sie sich verletzt durch einen Unfall oder...?" Wie eine üble Vorahnung klang es aus seinen Worten heraus. ,, Kommen Sie ans Fenster und berichten Sie mir alles genau! Ich habe ein Recht darauf...."

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In kurzen leidenschaftlichen Sätzen unterrichtete ihn Bert von dem Vorfall, ohne sich zu einer Anklage zu versteigen. Er erwähnte auch sein Zusammentreffen mit dem Baumeister.

Schuhmacher nickte. Ich weiß davon. Partei­genosse Seidl war bei mir und hat auch mit dem Chef unserer Leitstelle über Sie gesprochen... hoffen wir, daß es von Erfolg sein wird. Sie können auf meine Befürwortung vollauf rechnen! Aber sagen Sie mir noch einmal: was Sie so zugerichtet hat, rührte tat­sächlich von ein paar Kaffeefleckchen auf dem Trink­becher her? Das ist doch kaum möglich, nehmen Sie mir's nicht übel!"

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,, Es ist nicht anders und durchaus nichts Außer­gewöhnliches im Lager! Jeder Scharführer, jeder SS.­Posten, sogar jeder Blockälteste kann uns wegen absolut nichts ums Leben bringen, wenn es ihm paẞt... wir sind ja total vogelfrei! Und wieviele werden tatsächlich ohne Anlaß dank geheimem Wink auf die verschieden­ste Art beseitigt, falls sie nicht vorziehen, sich selbst das Leben mit dem Strick oder dem Rasiermesser zu nehmen...."

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,, Das ist das ist... grauenhaft, unausdenkbar!" stieß der rechtschaffene Mann, der so wenig in den Kreis seiner Amtsstelle paßte, hervor. Er stand auf und ging in kurzen, erregten Schritten auf dem Teppich seines Zimmers umher. Sein Kollege aus Wien schien es vor­gezogen zu haben, nicht mehr mit dem infektiösen'