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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Auch Berts einzige Hoffnung war, sobald als möglich das Bewußtsein zu verlieren. Es ward ihm schwarz vor den Augen, aber trotz allem heftigen Wollen trat keine Ohnmacht ein... im Gegenteil: nach der vollbrachten Heldentat an dem anderen Häftling suchte der Peitscher ihn. Wo ist denn dieser Oberst, hm?" erkundigte er sich beim alten Bernhardt. Mit inniger Schadenfreude verwies ihn dieser an Berts Pfahl.

,, Aha", höhnte das Ungetüm, sich neben dem Ge­kreuzigten aufstellend. ,, Nun, wie gefällt es Euer Hoch­wohlgeboren da oben, he? Das ist doch pfundig, was? Ich will dir noch eine hübsche Abwechslung zeigen- paß auf!"

Und mit solchen Spottworten faßte er Bert am Bein und zog daran den schwebenden Körper ein ganzes Stück vom Holz des Pfahles ab und ließ ihn dann wieder los, so daß Bert wie der Perpendikel einer Standuhr eine Weile hin und herschwang... eine Qual, die ihn glauben machte, daß jetzt jetzt jetzt die Arme endgültig abreißen müßten.

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,, Gelt, das war pfundig, was?" brüllte das Untier wieder in sein Ohr. ,, Gib Antwort, du Halunke! Willst du gleich Antwort geben oder nicht?!"

Dabei kam er mit seinen wulstigen Lippen so nahe an das Gesicht Berts, daß diesen die Luft aus den breiten Nüstern streifte. Aber er schwieg konsequent und hätte auch kaum sprechen können, sondern drehte nur den Kopf ab, so fraß der wahnsinnige Schmerz jede Kraft zu irgendeiner Lebensäußerung in ihm hinweg.

Der Scharführer aber warf einen raschen Blick auf das Gesicht des Häftlings und sah den finsteren, ver­schlossenen Zug darin. Da packte den Rohling ein echt bajuwarischer Jähzorn. Er lief blaurot im Gesicht an und brüllte: ,, Was? Auch noch hochmütig? Kanaille, monarchistische, du sollst mich kennenlernen"

Und förmlich sinnlos vor Wut hob er die schwere Peitsche und schlug zu. Traf Bert über den Kopf, ein paarmal quer über das Gesicht, übers Genick und wieder über den glatt geschorenen Kopf, mit jedem