Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen

-

- 315­

unsern Herrn Oberst begrüßen

-

so, so, der Herr

Oberst geben uns auch mal die Ehre?"

-

,, Wo ist ein Oberst?" fragte sofort ungläubig der Rowdy. ,, Was du bist das?" Die Spitze der Hunde­peitsche stieß gegen Berts Brust. ,, Jawohl"! beeilte sich Bernhardt diensteifrig zu versichern. ,, Dieser feine Herr da! Wahrscheinlich hat er wieder zuviel Romane ge­lesen! In Flossenbürg hat er auch nur lesen und lesen wollen, aber keinen Stubendienst verrichten... na, jetzt hat's ihn auch mal gepackt!"

Zum Glück kümmerte sich der erste Scharführer nicht um die albernen Vorgänge, die abseits seines Dienstes lagen. Er teilte die sechzehn Leute in zwei Gruppen ein und ließ von der ersten Hälfte die vier Pfähle holen, die in zementierte Löcher im Boden ein­gelassen wurden. Es waren starke, viereckige Stämme, roh geglättet und gegen zweieinhalb Meter über den Erdboden aufragend. Ganz oben besaßen sie je zwei dicke Eisenhaken in entgegengesetzter Richtung, hori­zontal herausragend. Unerfahrene hätten sie für derbe Pfähle zum Aufhängen von Wäscheleinen halten können. Und Leinenzeug wurde ja auch an diesen Stämmen aufgehangen, nur war in dem Zeug noch menschlicher, zuckender Inhalt

Nun brachte Bernhardt den hölzernen Tritt mit seinen drei Stufen, auf die der Delinquent beim Auf­hängen treten muß, sowie die Ketten und die Woll­fetzen. Die Hände hat der Bestrafte rückwärts zu­sammenzufalten. Dann werden die dünnen Fetzen, aus alten Strumpfteilen bestehend, über beide Hand­gelenke gestreift und über sie die Gliederkette so durch­gezogen, daß sie eine Schlinge bildet, die sich zusammen­zieht. Der Häftling muß sich alsdann auf die oberste Stufe des Trittes stellen, der unter einem der Haken steht, mit dem Rücken gegen den Pfahl. Sodann nimmt der Henker das freie Ende der Kette und hängt sie mit einem ihrer Glieder an den Eisenhaken. Ist das ge­schehen, so zieht er die Stufenleiter unter den Füßen des Opfers fort- und nun baumelt der Mensch an

--