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unsern Herrn Oberst begrüßen
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so, so, der Herr
Oberst geben uns auch mal die Ehre?"
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,, Wo ist ein Oberst?" fragte sofort ungläubig der Rowdy. ,, Was du bist das?" Die Spitze der Hundepeitsche stieß gegen Berts Brust. ,, Jawohl"! beeilte sich Bernhardt diensteifrig zu versichern. ,, Dieser feine Herr da! Wahrscheinlich hat er wieder zuviel Romane gelesen! In Flossenbürg hat er auch nur lesen und lesen wollen, aber keinen Stubendienst verrichten... na, jetzt hat's ihn auch mal gepackt!"
Zum Glück kümmerte sich der erste Scharführer nicht um die albernen Vorgänge, die abseits seines Dienstes lagen. Er teilte die sechzehn Leute in zwei Gruppen ein und ließ von der ersten Hälfte die vier Pfähle holen, die in zementierte Löcher im Boden eingelassen wurden. Es waren starke, viereckige Stämme, roh geglättet und gegen zweieinhalb Meter über den Erdboden aufragend. Ganz oben besaßen sie je zwei dicke Eisenhaken in entgegengesetzter Richtung, horizontal herausragend. Unerfahrene hätten sie für derbe Pfähle zum Aufhängen von Wäscheleinen halten können. Und Leinenzeug wurde ja auch an diesen Stämmen aufgehangen, nur war in dem Zeug noch menschlicher, zuckender Inhalt
Nun brachte Bernhardt den hölzernen Tritt mit seinen drei Stufen, auf die der Delinquent beim Aufhängen treten muß, sowie die Ketten und die Wollfetzen. Die Hände hat der Bestrafte rückwärts zusammenzufalten. Dann werden die dünnen Fetzen, aus alten Strumpfteilen bestehend, über beide Handgelenke gestreift und über sie die Gliederkette so durchgezogen, daß sie eine Schlinge bildet, die sich zusammenzieht. Der Häftling muß sich alsdann auf die oberste Stufe des Trittes stellen, der unter einem der Haken steht, mit dem Rücken gegen den Pfahl. Sodann nimmt der Henker das freie Ende der Kette und hängt sie mit einem ihrer Glieder an den Eisenhaken. Ist das geschehen, so zieht er die Stufenleiter unter den Füßen des Opfers fort- und nun baumelt der Mensch an
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