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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Nazis gelungen, das Verließ der mittelalterlichen Raub­burgen beinahe täuschend zu kopieren, nur daß deren Opfer nicht vorher blutig geschlagen wurden, wenigstens ein Strohlager hatten und sicherlich nicht allzu schlecht verpflegt wurden im Hinblick auf das zu erwartende Lösegeld--- unaustilgbare Schmach für das 20. Jahr­

hundert.

AM PFAHL.

Inzwischen aber erreichte Bert selbst ein ähnliches Unheil. Der Anlaß dazu war nicht weniger ungerecht als bei Stillfried.

Seine Baracke hatte einen neuen Blockführer be­kommen, einen kurzbeinigen Rotschädel von höchst unsympathischen Eigenschaften. Er war in Dachau noch fremd, gebürtiger Sachse und konnte sich mit den eingefleischten Bajuwaren, aus denen sich seine SS.­Kameraden rekrutierten, nicht anfreunden. Daher schnüffelte er früh und spät im Lager umher, in erster Reihe natürlich in dem Block, der ihm speziell unter­stellt war.

So geschickt auch dessen, Feldwebel' Haxpointner, ein schon ,, Siebenjähriger" im Lager, ihn ständig um alle Klippen herumzusteuern versuchte, es war vergeblich. Der Scharführer Kastner verbiß sich an jedem Spind, und das Ärgste war: er fand den größten Gefallen am Schreiben von Meldungen.

Sein Steckenpferd waren die Trinkbecher aus Alu­minium in den Spinden. Frühmorgens bei der Ausgabe des Kaffees, der natürlich nur heißes Wasser von dunkel­brauner Farbe war, wurde jedem Häftling das kleine Viertellitergefäß bis zum Rande mittels des großen Schöpflöffels angefüllt. Dabei war es gar nicht zu ver­meiden, daß kleine Spritzer von Kaffee auch an die Außenwand gelangten, wo sie durch die hohe Wärme des Bechers binnen wenigen Minuten eintrockneten und dann einen winzigen, gelblichen Kreis hinterließen. Bei