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tun konnten und schließlich noch einige prominente Häftlinge persönlich zu sprechen wünschten.
Hm, was sollte man da tun? Ein solches Verlangen, unendlich höflich, aber desto unabweisbarer vorgebracht, ließ sich nicht gut ablehnen, wenn die Gäste nicht den Eindruck gewinnen sollten, als stimme etwas in der Hauptsache nicht... folglich mußte man dem Wunsche willfahren.
Der Lagerkommandant Piorkowski, der anstelle des beurlaubten Tibbu- Tipp die Gäste umherführte, überlegte eine Zeitlang und ließ dann den Lagerältesten holen. Dessen Aufgabe war es, sobald hoher Besuch angekündigt war, alle nicht mit ständiger Arbeit Beschäftigten, die sogenannten, Uneingeteilten', deren Zahl sich immerhin auf zweitausend Mann belief, in den isolierten Blocks zu verstecken, deren Eingänge ja fest verschlossen blieben; desgleichen das Revier von lästigen Kranken zu säubern, insonderheit von den Blöden, gleichgültig, wo die Kranken während der Stunden des Besuches hingebracht wurden.... Auch sonst hatte er dafür zu sorgen, daß keiner etwa gerade jetzt ziellos über die Lagerstraße stolpere, kein dürres Blatt gerade jetzt zu Boden falle oder sonst etwas den Eindruck störe, als wenn Dachau ein Bienenstock von frohgeschäftigen, wohlgepflegten Menschen sei, die sich nichts Besseres wünschten, als für dauernd hier zu bleiben mit anderen Worten: eben ein, Potemkinsches Dorf' zu schaffen, wie es seit den Pharaonen bei Besichtigungen wohl immer die Gepflogenheit sein mochte.
Der gute Scheerer schlug nun drei Kameraden vor: Schmitz, den Oberbürgermeister von Wien , Baron Stillfried und Oberst Jordan. Kaum hatte der Sturmbannführer seine Zustimmung gegeben, als auch schon die Lagerläufer die Betreffenden holen gingen....Stillfried kam zuerst an, Bert, der es am weitesten hatte, zuletzt. Piorkowski stellte den ersteren ganz jovial vor mit den Worten: ,, Dies, meine Herren, ist ein Kollege von mir, der ehemalige Kommandant des österreichischen Anhaltelagers Wöllersdorf ."
20 Conrady, Amokläufer.
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