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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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bei einem solchen Auftritte so recht in seinem Element, obwohl jedermann wußte, daß es sich bei dem ange­prangerten Mann nur um einen kleinen Nascher am allgemeinen Gut handelte, während der, welcher ihn mit dem Knüppel trieb, weit eher verdient hätte, an seiner Stelle zu sein.

An einem anderen Schuldigen des Lagers, an Schnell­Max, war das Unheil des Erwischtwerdens wieder ein­mal vorbeigegangen. Heyden hatte es zum x- ten Male verstanden, die Vorgänge so geschickt zu vernebeln und sich selbst samt seinen Komplizen rein zu waschen, daß niemand ihm etwas anhaben konnte... es ging eben im Lager nicht anders zu als allerorten; das kleine Ver­gehen wird an den Pranger gestellt, über die Gauner großen Formats dagegen der Mantel schonungsvoller Rücksicht aus allzu durchsichtigen Motiven gebreitet.

Tibbu- Tipp, der sicherlich schärfer durchgegriffen hätte, schon um seinen gerechten Ruf zu wahren, war in Ferien. Hoffman, der Lagerelefant, vertrat ihn. Ent­weder war seine Plumpheit den raffiniert ineinander­greifenden Ausflüchten von drei so verschmitzten Lager­füchsen wie Heyden, Schnell- Max und Henschel nicht gewachsen oder er durfte es nicht wagen, energisch gegen sie aufzutreten, weil seine Hände selbst zu be­fleckt waren.

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Hin und wieder kamen Besuche von Fremden ins Lager, insbesondere von Ausländern, denen der Herr Reichsführer SS. gern gerade Dachau als Musterlager zeigen ließ, weil die hier geschaffenen Anlagen sich ohne Zweifel sehen lassen konnten. Doch mit allen Fremden klappte es nicht nach Wunsch. Zwar erwies sich der Innenminister des faschistischen Spaniens , Sorrano Sunner, als fügsamer Besucher ohne Sonderwünsche. Dagegen kam nach ihm eine Kommission von drei Japanern in Zivil, die sich mit der Gründlichkeit, die den Preußen Asiens eigen ist, nicht genug im Besichtigen