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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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den Gleichgesinnten, im Weib jedoch das Gegensätzliche sucht....

Dann berichtete er ihr. Sie ließ seine Worte in sich gleiten wie die Wonne schönster Augenblicke. Und weiter redeten sie gemeinsam in jener Sprache, die so laut und zeitlos ist wie das Rauschen des Blutes in den Adern. Vieles für das Ohr nur vorüberhuschend, aber dem Gemüt um so inniger verhaftet.

Erst als der Rausch des Wiedersehens verklungen war, begann sie zu erzählen, wieder mit dem hellen, metalli­schen Timbre in ihrer Stimme, die ihrem Wesen so viel Bestimmtes, Selbstsicheres gab... ja, seine Schwester sei reizend zu ihr, sie würden sich im Hause aufs beste ergänzen. Auch sie lasse den Bruder herzlichst grüßen und hoffe zuversichtlich, daß es Toni Seidls Einfluß gelingen werde, ihn freizubekommen.

,, Es muß sich einfach durchsetzen lassen!" bestand Iřina darauf, mit einer eigensinnigen Falte über der Nasenwurzel, die Bert ihr hinweg küßte.

,, Verlange nicht zuviel von ihm, mein Lieb", warnte er. ,, Denn ich habe in diesen langen Monaten erkannt, daß irgendwelche Verwendung für einen Häftling die Gestapo erst recht hartnäckig macht, weil sie dahinter Komplotte wittert!"

,, Dennoch, es muß sein, denn ich habe zuviel Angst um dich! Früh und spät am Tage habe ich Angst, von der Nacht nicht zu reden!" Eine echt weibliche Be­

gründung....

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,, Angst um mich?" fragte Bert lächelnd. ,, Na- und ich soll keine Sorge haben um dich? Bei dem großen Betrieb von ein paar hundert Männern aller Art, die um dich herum tätig sind?"

Ein ruhiger, voller Blick von ihr in seine Augen genügte als Antwort. Ein Mensch wie sie duldete keine schlechte Luft um sich, das wußte er und war in dieser Hinsicht nie eigentlich in Sorge.... Aber wie er einen Augenblick durch die Windschutzscheibe nach vorn blickte, wurde er unwillkürlich blaẞ. Was er sah, genügte auch: zum ersten Male besuchte Tibbu- Tipp das Kom­