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mit ihm gewechselt, ohne Näheres von ihm zu wissen. Der Mann aber hatte einiges von dem Gespräch erlauscht, das sein Capo mit dem Besucher geführt hatte- und eben dies Erlauschte regte ihn zu seinen Worten an Bert an.
Er nannte sich Hofer und stammte aus Wien , schien ein gescheiter, gutmütiger Mann zu sein. Dank jener Anziehungskraft, welche ehrliche Naturen stets auf ihre Umgebung ausüben, hörte ihm Bert voll Interesse zu- und erfuhr dabei:
Hofer hatte sich als Österreicher frühzeitig der Hitlerbewegung in seiner Heimat zugewandt und die Torheit begangen, sie nicht, wie die meisten Nazis unter seinen Landsleuten es getan haben, lediglich als Sprungbrett für eine neue, bequeme Existenz zu benützen, sondern hatte den Wahrspruch ,, Gemeinnutz geht vor Eigennutz" für bare Münze genommen..,. Eine scharfe, innere Müdigkeit und Verdrossenheit zeichnete sich in den Zügen des Mannes ab, als er über den Schiffbruch sprach, den seine Überzeugung während der Besatzungszeit Österreichs erlitten hatte.... Wuchtige Rauchwolken aus ihren Pfeifen paffend, hörten die SS.- Posten ihm seelenruhig zu, von Zeit zu Zeit zur Bekräftigung nickend.
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Ja, wie hatte er schon in den Kampfjahren der Bewegung idealistisch veranlagt, wie er war sich an dem Eintreten jedes einzelnen für die Gesamtheit erwärmt; für die Hingabe von Hab und Gut an jeden Bedürftigen... denn er war ja keiner von denen, die in der Befreiung nationaler Kräfte auch zugleich die Entfaltung unbeschränkter Selbstsucht sahen... aber er blieb nicht nur allein mit zwei, drei ähnlich gesinnten Kameraden gottsjämmerlicher Einzelgänger, schamlos ausgenützt in seiner Bereitwilligkeit von den Egoisten, sondern wurde auch noch rücksichtslos ausgelacht von den Gescheiteren, die besser als er wußten, wozu eigentlich derartige politische Bewegungen da sind und die sich entsprechend verhielten. Im Gegenteil: es empfahl ihn nicht einmal bei allen denen, die ihre geistige Normalwäsche trugen!


