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der Einsame... und ich bin überzeugt: zur Zeit bei uns mehr als jemals!"
Anton Seidl sah ihn ratlos an, als wollte er sagen: was aber dann.? Da legte Bert seine Hand sanft aut dessen Schulter und riet: ,, Mache lieber jetzt Schluß, Toni, und rufe deine holde Begleiterin, denn ich kann nicht zu lange mit dir zusammenstehen komme lieber recht bald wieder und vergiß mich nicht, mein Lieber!"
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Er drückte ihm nochmals die Hand und ging zu der schon ungeduldig wartenden Oberschwester, die inzwischen alle Räume des Kinderheims durchschnüffelt hatte. Mit leichter Verbeugung wies er auf den Wagen, dessen Motor der Baumeister anspringen ließ.... ,, Wollen Sie bitte einsteigen, Schwester, der Herr Architekt erwartet Sie!"
Wieder traf ihn statt jeder Antwort ein dummstolzer Blick von oben herab, als wäre er ein Gewächs, das überhaupt nur zu Unrecht noch am Leben ist; dann schritt sie erhobenen Hauptes dem Wagen zu und stieg ein. Der DKW. drehte um und hüpfte über die Löcher der Straße davon.
WALDLEBEN.
Am anderen Tage schlug das Wetter um, nachdem bereits am Abend vorher deutliche Anzeichen dafür am Himmel standen. In eigenartigen Glanz getaucht erschien das Lager, doch war ein solches Schauspiel, so prächtig es dem bewundernden Auge deuchte, stets von übler Vorbedeutung für den Häftling. Denn der Dauerregen, den es in wenigen Stunden nach sich zog, war im Lager bitter verhaßt, noch weit mehr als an der Front im Kriege. Denn bei jedem Appell, der in Dachau rund eine Stunde dauerte, drang die Nässe unbarmherzig durch die dünnen Drillichkittel und das Hemd hindurch, insbesondere aber bei mehrstündiger Arbeit im Freien.


