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,, Tja, wohl wahr, das ist bitter, es sind gewiß harte Zeiten, aber auch sie gehen vorüber... man muß eben ein Mann sein! Hätte ja uns genau so gehen können, die wir alte Kämpfer waren, wenn die Gegenseite ans Ruder gekommen wäre-- Eine Annahme, dachte sich Bert im stillen, die natürlich ganz und gar irrig und billiges Entlastungsmittel ist. ,, Ja- was ich sagen wollte" fuhr der Chef fort: ,, Capo Schnell empfiehlt Sie für die Fertigstellung unseres Kinderheims werden Sie das schaffen können?"
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Die Leutseligkeit seiner Frage war für Lagerverhältnisse gänzlich ungewöhnlich. Bert erwiderte daraufhin knapp:
,, Gewiß, Herr Hauptsturmführer, wenn die Lagerleitung glaubt, mir die Aufgabe übergeben zu können!"
,, Nun, ich könnte es probieren! Ich brauche einen Capo, der seine paar Leute Sie hätten dabei zirka 40 Mann tadellos zusammenhält; denn Sie arbeiten ohne jede Absperrung hinter der äußeren Postenkette
das müssen Sie bedenken! Also müssen die Leute auf den Führer eingeschworen sein, was eben beim letzten Capo nicht der Fall war. Fachkenntnisse sind weiter keine vonnöten...."
Er stockte eine Zeitlang und ging mit gesenktem Kopfe kurze Schritte hin und her, Bert gemächlich an seiner Seite, immer auf eine Fortsetzung seiner Information wartend.. bis Tibbu- Tipp wieder Front zu ihm nahm und den neuen Capo mit den Worten verabschiedete: ,, Also wollen wir es dabei belassen, richten Sie es dem Lagerältesten gleich aus und schaffen Sie mir Gutes auf Ihrem Posten!"
Er griff sogar grüßend an seine Mütze, was alle umherstehenden Scharführer mit Staunen vermerkten, zumal es ihnen streng verboten war, den Gruß eines Häftlings in irgendeiner Weise zu erwidern. Der Chef ging alsdann auf Rämmele zu, um ihn als Rapportführer zu unterrichten.
Der nette, saubere Lagerälteste Scheerer gab Bert, zufrieden über dessen Ernennung, die Hand und in


