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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
275
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in einen ihrer Blocks zu schämen braucht, sobald man die traurigen, verprügelten Gesichter dort sieht! Und hätten sich vier junge Polen nicht in einer einzigen Nacht selbst aufgehangen, so wären wohl die Zustände ohne Änderung weitergegangen....*

Von wannen stammt dir diese Wissenschaft, mein Lieber? fragte ihn Stillfried.

‚Von Scheerer, meinem Freunde, direkt! erwiderte Leo. ‚Er war bei dem Besuche des Reichsärzteführers im Lager vor einigen Tagen dabei. Beim Anblick der vier erhängten Polen witterte dieser gleich Unrat, was Tibbu-Tipp natürlich scheußlich war. Er ließ den ganzen Block antreten und sprach so zu den Leuten durch ihren Dolmetscher, daß sie trotz ihrer Verängstigung den Mund aufmachten. Und da kam allerhand zur Sprache ... das tat er freilich nicht den Polen zuliebe, sondern weil er ein neuer Besen ist und gern den Scharfmacher spielt. Und aus diesen Gründen schlage ich den Wunsch Scheerers nicht ab, wenn ich auch euch, Leutlns, dann nicht mehr treffe. Aber bald wird ja die Absperrung der Polenblocks ohnehin fallen und dann könnt ihr mich der Reihe nach besuchen, um selbst zu-prüfen, wie sich die Männer unter meinem Szepter fühlen!

Einstimmig wünschten ihm die Freunde Hals- und Beinbruch zu seiner neuen Aufgabe, die ihm den ‚Trauer- flor am Ärmel, das heißt: die im Lager hochgeschätzte, schwarze Armbinde des Blockältesten verschaffte.... Dann von seinem Thema abgehend, wandte sich Leo an Bert und sagte ihm vertraulich:

Du wirst dir ja auch bald, verehrter Oberst, ein anderes Kommando suchen müssen oder nicht?

Bert zuckte etwas verwundert die Achseln. ‚,‚Ich'

wüßte nicht warum, mein Lieber? Wie kommst du auf diese Idee?

Nun, fuhr Leo leise fort, ‚das ganze Lager weiß doch, soweit es sich um ältere, kundige Insassen handelt, was dein Schnell-Max treibt.... Daß auch bei ihm der Krug nur solange zu Wasser geht, bis er bricht, ist doch klar. Und ebenso klar ist, daß Tibbu-Tipp nach dem

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