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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
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stattlichen Treibhäusern, in denen außer tropischen Zierpflanzen auch Curry und Paprika gezogen wurden, um den sogenannten, deutschen Pfeffer' zu erzeugen, eins jener Ersatzmittel, an denen Nazi- Deutschland leider wieder so reich geworden war.

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Im großen ganzen herrschte auf der Plantage ein reichlich schlendriger Zug bei der Arbeit. Der ständige Kommandoführer war einer der wenigen SS. - Männer, deren Sinn nicht auf Schikane ihrer Untergebenen ge­richtet war und ihm stand ein Obercapo zur Seite, neben fünf Capos, der sich bestens mit ihm verstand. Zu allemhin wurde an einem Samstag Nachmittag, an dem die meisten Kommandos feierten, auch hier nichts. rechtes geleistet. Die Maisonne schien mit ihrer schön­sten Fülle auf das Gewimmel der Häftlinge herab, die sich zumeist ihrer Kittel entledigten und die Hemds­ärmel aufkrempelten....

Plötzlich riẞ der Föhnwind den Dunstschleier auf und enthüllte die Ferne da stand der ganze Gebirgs­blau und zug der Voralpen Bayerns - sein Stolz scharf konturiert am Horizont da, lockte und winkte in seiner kantigen Felsigkeit ach ,, wenn ich ein

Vögelein wär'..

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Bert hatte eigentlich als Arbeit ein Feld von Pfeffer­minzstauden auszuroden und die Pflanzen zu sortieren. Da er aber hierzu noch zwölf Mitarbeiter hatte, ließ er das Feld bald im Stich und fragte sich nach seinen Freunden durch, die im Maleratelier der Plantage saßen.... In einem hellen Zimmer, dessen Fenster in eins der Treibhäuser eingebaut war, hockten sechs Österreicher beieinander und hatten mit Aquarellfarben die Blüten und Blätter der Kreuzungen abzumalen, die von der Leitung der Plantage, einem SS.- Botaniker, nach Weisungen der Biologischen Forschungsanstalt in Berlin erzielt worden waren.

Das war ein sauberes, nicht aufregendes Geschäft, bei dem es sich gut plaudern ließ, obwohl das benach­barte Treibhaus einen Dunst feuchtwarmer Luft herüber­schickte, der jeden Laut zum Geflüster ermatten ließ....