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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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erstehen ließ. Blitzschnelles, haẞerfülltes Aufleuchten entzündete seinen Blick, der den lauschenden Kameraden streifte. Sein Kiefer schob sich zu einem wütenden Grinsen unter der Nase vor. Er sah fast aus, als wollten ihn seine Geisteskräfte verlassen. Aber dort, vor dem Peiniger, hatte er nur ein Winseln vorgebracht, ge­brochener, erschöpfter Mensch, der er war, ein Winseln wie einer, den man mit der Peitsche niederschlägt. Der Raum, begann sanft und leicht zu schwanken um ihn, der immer mehr auf seinem Stuhl zusammensank.

Und als keine erkennbare Antwort von dem Häftling kam, begann der Referent in seiner heuchlerischen Sanft­heit fortzufahren: ,, Nun, dann entschuldigen Sie nur, Claus, daß ich Sie aus Ihrer Dachauer Ruhe aufgestört habe. Es soll nie wieder vorkommen, ich versichere Ihnen das!"

Wohl hatte der Gequälte einen kaum widerstehbaren Drang verspürt, sich auf seinen Peiniger zu stürzen; aber er war eben ein Deutscher, dem ewig der Ladestock des Respektes vor jedem Beamten im Rückgrat steckt. So war er sitzen geblieben und hatte sich nur die ge­stammelten Wort mit Mühe abgerungen: ,, Herrgott, wozu das? Wozu Entschuldigung? Für mich gibt es nur ein Recht oder Unrecht... und ein Recht, meine freien Kameraden zugrunde zu richten, nur weil ich ein eigenes Verlangen damit erreichen könnte, das das Recht habe ich nicht, bei Gott nicht, jetzt und in aller Ewigkeit nicht! Sehen Sie das nicht ein, Herr Kommis­sar, ist das nicht klar genug?"

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,, Vollauf!" entgegnete sein Gegenüber höhnisch mit schmalen Lippen. ,, Wozu versteigen Sie sich in solche Höhen? Machen Sie es billiger: geben Sie flugs Namen und Adressen preis und Sie sind in zehn Minuten bei den Ihrigen, die auf Sie warten... mit Ungeduld warten, Claus!"

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Unwillkürlich hatte sich der Gefangene die Hände an die Ohren gepreßt, um den Spott nicht zu hören, der ihm das Herz zerschnitt. Dort draußen in Schwabing, so nahe, so leicht erreichbar, saßen die Seinigen um das