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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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SS.- Posten an, um den Häftling zurückführen zu lassen. Noch war seine blitzsaubere Zelle leer, als Bert wieder eintrat. Es dauerte jedoch nicht mehr allzu lang, bis auch Georg Claus zurückkam.

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Der Oberst sah ihm prüfend entgegen. Von der in Flossenbürg überstandenen Epidemie war des Gefährten Antlitz noch eingefallen genug. Aber jetzt zehrte etwas anderes an ihm. Seine Augen waren starr geradeaus gerichtet, mit einem so stumpfen Funkeln, daß es be­ängstigend war. Und so leichenfahl war seine Gesichts­farbe, so schleppend sein Gang, daß etwas ganz Schwer­wiegendes mit ihm vorgefallen sein mußte.

Im Moment war Bert so bewegt, daß er wortlos auf Claus zuging und ihn zu einem Stuhl geleitete wie einen Kranken. Hatte er geglaubt, niemals mehr imstande zu sein, am Leid fremder Menschen voll teilnehmen zu können soviel tiefer Gram war im Zeitraum eines halben Jahres an ihn herangetreten so erkannte er nun seinen Irrtum....

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Claus schlug, als er saß, die Hände vors Gesicht und überließ sich zunächst einer stummen Verzweiflung. Dann begann er zu erzählen, ohne daß Bert ihn gedrängt hätte: Grund seiner Überstellung sei eine Vorsprache seiner Verwandten beim zuständigen Gestapobeamten gewesen, um seine Freilassung zu erbitten oder wenig­stens einen kurzen Urlaub oder noch weniger: eine Zusammenkunft nur mit seinem Vater, der ein Fünf­undsiebziger sei und kurz vor seinem Ableben stände. Claus hänge an seinem Vater nicht minder wie dieser an dem einzigen Sohne, dem bisher seine volle Liebe ge­golten habe. Und der Gram über die sieben Jahre grausamster Haft, die der Sohn erleiden mußte, hätten. die Lebenskräfte des Alten vor der Zeit aufgezehrt.

Es hatte ganz den Anschein, als ob die Gestapo ein Einsehen habe. Sie sagte den Angehörigen zu, den Häftling kommen zu lassen. Zu Hause bei ihm