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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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bezahlter Arbeit ein echter Nazibluff. Vielmehr stellte sie Herr Dr. Frank, der Generalgouverneur, seinem Freunde und Gönner Himmler als Lagersklaven zur Ver­fügung.

Und so kam es, daß eines Morgens, als Berts Kom­mando durch das Haupttor auf den Appellplatz mar­schierte, sich ihm ein überraschender Anblick bot: gegen dreitausend Mann standen eng zusammengedrängt auf der weiten Fläche, neben sich das reichliche Gepäck, einzelne Männer bereits erschöpft am Boden liegend, die anderen mit den Augen umherschweifend wie ein­gefangene Waldtiere. Und ebenso forschend sahen ihre Blicke dem marschierenden Trupp entgegen, ohne recht begreifen zu können, weshalb man erwachsene Menschen wie Zirkusclowns gekleidet am hellen Tage herum­laufen ließ.

Zur Mittagspause standen die Armen, die in den frühesten Morgenstunden angelangt waren, noch immer beisammen, standen regungslos und warteten, ohne daß mehr als ein gelangweilter Scharführer sie bewachte. Nur die Zahl der Zusammengebrochenen war inzwischen vervielfacht. Aber um sie kümmerte sich so wenig irgend jemand wie um die noch Stehenden.... Erst später, beim Nachmittagsappell standen lange Tische da, aus einem nahen Block herausgeholt und bedeckt mit hohen Stößen von Speckseiten, dicken Wurstringen, Käseleibern, Butter- und Schmalzgefäßen, sowie mit Bergen von Brot. Sehr begreiflich, daß solch ein An­blick ganz für das Herz ehemaliger Flossenbürger und Mauthausener geschaffen war. Wie lange war doch derartig kernige Nahrung nicht mehr zwischen ihre Zähne gelangt! Wer fragte von ihnen viel, durch welch schreiendes Unrecht ihnen solcher Genuß verschafft werden sollte.

Der Lagerelefant stampfte um die beladenen Tische herum und ließ den Raub aus Polen auf die paar Barak­ken, aus denen erst das Lager bestand, verteilen, wobei selbstredend die Capos und Blockältesten ihre Doppel­portionen vorab erhielten, ganz zu schweigen von dem