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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
195
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DER RÜCKTRANSPORT.

Das war aber auch wirklich der letzte Ausfluß bös- artiger Gelüste, denen die ‚Roten hier oben ausgeliefert waren. Nur ihr Abschied vom K.L.Flo. gestaltete sich noch zu einer Orgie der Plünderei. Er fiel in die Mitte des Monats März 1940.

Winzigkeiten an Besitz hatten sich doch noch in den sechs Monaten ihres Hierseins bei den roten Häftlingen durch Ankauf in der Kantine angesammelt, wie Rasier- zeug, Nagelscheren, Tabak und Pfeife, Notizbücher und Ähnliches. Das fiel jetzt alles, obwohl ehrlich bezahlt, den ‚Grünen zum Opfer, mit Wissen und Wollen der SS,, die es verkauft hatte.

Die ‚roten Blöcke wurden stubenweise in die ehe- malige Seuchenbaracke geführt, deren eine Schmalseite entfernt worden war. Die Männer mußten sich völlig auskleiden, ihre Sachen einem der Scharführer zur Unter- suchung hinhalten und bekamen natürlich nur noch die inhaltlose Kleidung zurück... Bert war es ziemlich gleichgültig; denn für ihn geisterte zwischen diesen Wänden noch immer das Grauen so vieler Sterbender, die er betreut hatte.... War es denn wirklich so weit, daß sie diesen Vulkan, von dem alltäglich Lavaströme des Menschenleids herabflossen, nun verlassen durften?

Aber es blieb definitiv dabei. Zum letzten Male klap- perten die Holzpantinen auf dem hartgefrorenen Boden. Beim Tore schwenkten die Fünferreihen lachend und voll inneren Triumphes an dem kleinen Lagerbiest vor- bei, das in seinem schwarzen Ledermantel wiederum von einem Bein aufs andere trat und höchst unzufrieden schien. Einen letzten Blick warf Bert noch auf die an- steigenden Baracken, die geduckt in ihrem grünen Kleide auf dem Ölberg übereinander gereiht lagen und schließlich auf den Arbeitsplatz der Steinmetze, von dem ihm Capo Statz wehmütig nachsah....

Die Burgruine tauchte wieder auf, unentwegt düster und drohend emporgereckt o, du Raubritternest dort drüben! Wie relativ bescheiden ward ihr immerhin 13?