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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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fung von Büchern zeichnen dürften... seht an, welche Großmut von seiten einer hochmögenden Lagerleitung! Doch der Pferdefuß kam gleich hinten nach: diese Bücher müßten natürlich dem Lager verbleiben, sobald die, Roten etwa Flossenbürg wieder verlassen sollten aha!!

Den Hintergrund dieser scheinbaren Geste von Jo­vialität einzusehen, war für niemanden schwer: es galt eben die, Roten ' mit ihren stattlichen Geldkonten noch rasch mit allen Kräften auszubeuten, bevor es zu spät war. Also stand die Rückkehr nach Dachau sicherlich bevor, das war klar und das Lager konnte alsdann die Bücher gleich behalten, deren Auswahl es nicht einmal den Geldgebern überließ, sondern das an dem hohen Rabatt des Buchhändlers für alte Ladenhüter hitlerischen Gepräges saftig verdienen wollte.

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Angesichts solcher Erkenntnis lehnte fast alles in den , roten' Blocks die Zeichnung eines Betrages ab, zumal bei der Überfüllung der Stuben und der allgemeinen Ermattung ohnehin keine Muße zu guter Lektüre ver­blieb. Nebenbei bemerkt: auch die recht gute Dachauer Bibliothek war selbstverständlich niemals von der SS. angeschafft worden, sondern samt und sonders von Häftlingen gestiftet, vielfach von glücklich Entlassenen nachträglich eingesandt, darunter so manches bekannte Werk vom Verfasser als ehemaligem Häftling eigen­händig den Lagerinsassen dediziert.

Mit solcher Gewißheit zog geradezu eine Art Übermut in die Kreise der Dachauer ein, der sie leichtsinnig zu machen begann. Mochte nun die Lagerleitung dies merken oder auch nur allgemein verstimmt darüber sein, eine so große Zahl von anstelligen Arbeitern zu ver­lieren, die man angelernt hatte es lag jedenfalls in der Luft, wie Stillfried mit seiner feinen Nase für solche Verhältnisse spürte, daß es vor einer Trennung vom , K.L.Flo. noch zu einem Zusammenstoß kommen müsse, bei dem natürlich die, Roten ' kräftig den Kürzeren ziehen würden.