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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
190
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zu erhalten, mußte Bert goldfroh sein über jede Art von Erleichterung, die sich ihm bot, selbst wenn sie anrüchig war. Denn immer noch war für alle die Gefahr des Hin- übergleitens in die Ewigkeit ungemein naheliegend. Die Kälte fraß bitter an den Fingern und Zehen; die übertrieben lange Arbeitszeit ermüdete aufs äußerste, selbst wenn das Schaffen nicht mehr allzu beschwerlich war und notabene: das Essen bestand wiederum nur aus Rübenschnitzeln in heißem Wasser mit halb ver- dorbenen Kartoffeln dazu... ein helles Wunder, daß die Erkrankungen nicht wieder einsetzten. Einmal aber, nach ‚bewegtem Abendappell mit einer schier unübersehbaren Schar von ‚Prügelknaben, hatten ' die Häftlinge schon alle ihre schauderhaften Lieder unter Fischers ‚bewährtem Taktstocke heruntergegröhlt, mit den Lippen ‚tralala gejubelt und mit den Ohren auf den Jammer gelauscht, der zu den offenen Fenstern der Baracke I herausschallte, als am Abend in Berts Block die ‚Parole durchflog, eine Parole von höchster Zugkraft, nämlich: daß es in Kürze nach Dachau zurückgehen solle hurra! Die Plantage Himmlers müßte für das Frühjahr bestellt werden, und die riesigen Wirtschafts- betriebe der SS. dort wieder in Gang gesetzt werden, so malten es sich die Häftlinge aus... lieber Himmel, wie herrlich wäre es, man stelle sich das vor, wieder seinen gewohnten Dienst zu tun, statt hier in dem schäbigen, ruppigen Verbrecherlager mit seinen erbärmlichen Stein- brüchen langsam zu verrecken....

So ging die Rede in freudiger Bewegtheit von Stube zu Stube. Freilich fehlte noch jegliche Bestätigung dieser Nachricht, so plausibel sie an sich auch-war. Aber am folgenden Sonntag erschien einer der Lagerläufer in jedem der roten Blocks und teilte, gleisnerisch sprechend wie ein Diplomat, folgenden Entschluß der Lagerleitung den aufhorchenden Häftlingen mit:

Es fehle in Flossenbürg noch an einer Bücherei, wie sie bemerkt hätten. Die ‚Roten könnten nun selbst für die Beseitigung dieses Mangels sorgen, indem sie einen bestimmten Betrag von ihrem Geldkonto zur Beschaf-