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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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ans Herz legen können, das war alles! Aber wie geht es dir?

Nicht schlimm, du weißt ja: uns alten Front- soldaten vom Weltkriege tut die Seuche nicht so viel wie der jüngeren und älteren Generation, weil wir seinerzeit die verschiedensten Impfstoffe einverleibt er- halten haben... es wird mit dir auch nicht bedenklich u. werden!

Er sollte recht behalten. Aber die Zustände in der weiten, hölzernen Halle waren unbeschreiblich.- Es roch in ihr penetrant nach Carbol, Äther, Chlorkalk, Ex- krementen und unsagbarem Grauen. Die meisten Kran- ken konnten ihren Stuhl auf dem Weg zum Abort nicht mehr halten, brachen zusammen ein einziges Weh- klagen lag über dem halbdunklen Raume.... Es gab schon längst im Lager keine saubere Leibwäsche mehr, von frischer Bettwäsche gar nicht erst zu reden. Ebenso fehlte es an allen Medikamenten, besonders an Tierkohle und desinfizierenden Stoffen. Die paar Pfleger waren machtlos und schon zu erschöpft. Sie beschränkten sich darauf, das Brot zu-rösten und alle drei Stunden etwas Schleimkost auszuteilen; das war alles, abgesehen von der eigenen Versorgung. ‚Man denkt eben an sich selbst zuletzt, raunte Bobby zynisch einem Kollegen zu, ‚‚da- für aber um so gründlicher!

Am Abend schon erhob sich Seeger und ging in das anstoßende Revier, um nach Franzl, seinem ‚Adjutanten, zu schauen. Aber schon nach kurzer Pause kam er zu- rück, eine tiefe Gramfalte im Gesicht, und flüsterte Bert, der zu Bett lag, zu, daß die Leiche des jungen Freundes schon nach Weiden ins Krematorium abtrans- portiert worden sei. Er habe ihm nicht einmal die Augen zudrücken können, wie er gehofft habe... und mit ton- loser Stimme setzte er hinzu: ‚‚Bleibe ruhig, mein Lieber, für uns alle ist mit ihm ein Stern versunken, aber nur um desto heller und strahlender aufzustehen im Reiche des Gedenkens ‚dulden muß der Mensch sein Scheiden | aus der Welt wie seine Ankunft! | Bert bedeckte sein Gesicht mit den Händen, als er