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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Stumm erträgt der tapfere Junge die tobenden Brände des fiebernden Leibes, sich kaum merkbar windend. Nur die schweißbeperlten Hände zucken auf der Decke in der Verkrampfung der Qual, und aus den nach oben schauenden Augen laufen die Tränen langsam zu den Schläfen hinab... und all den Seelen kein geistlicher Zuspruch, kein Manna vom Himmel zum Trost für ihre Verlassenheit!

An dem Pfleger aber, wie er so am Bettrand des Armen saß, kroch eine schleichende Kälte empor. Seine Zähne klirrten vor innerem Frost und Verzweiflung auf­einander. Gleich darauf hatte er das Gefühl, als steige das Fieber auch in seinen Adern hoch... kein Zweifel, er war der Infektion auch schon verfallen. Aber er wollte des Warnungszeichens nicht achten.

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Am nächsten Morgen, nach einer äußerst mühsamen Nacht, nach dem Erlöschen einer ganzen Reihe von Leidenden, deren Weg sie nun hinüberführte ins letzte, ewig schattende, gütige Dunkel schaute Dr. Hick­meyer, durch die Temperaturen besorgt, auch beiden Hilfspflegern in den Rachen und ließ beide sofort zur Ablösung bringen. Aus den bisherigen Samaritern waren nun ihrerseits Patienten geworden.

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Berts Bitte, am Lager Franzls verbleiben zu dürfen, lehnte der Arzt kategorisch ab, so sehr ihm selbst der junge Tiroler Landsmann am Herzen lag. Aber der er­fahrene Blick des Klinikers ließ ihn erkennen, daß Bert nur noch taumelte und die Schwäche ihn zu überwältigen drohte.... Überhaupt war die Seuche noch stark im An­steigen, der letale Ausgang rund 70%.

So lag Bert noch am selben Mittag in einem oberen Bett des anstoßenden Seuchenlazaretts. Beim Umher­schauen entdeckte er unweit von sich, halb aufgerichtet auf seinem Lager, den Wiener Staatsrat Seeger, der ihn auch sogleich anrief: ,, Was machst du hier, Oberst?- Ich hoffte, du würdest unseren lieben Franzl gesund. pflegen...

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Mit einer schmerzlichen Handbewegung gab Bert die Auskunft: ,, Ich habe ihn leider nur noch einem Höheren