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trauen, daß er etwas von Wert herbeischaffte. Nur schade, daß er nicht viel öfter in das Getriebe des Lagers eingriff.
Unter solchen Spekulationen, aber immer härter werdendem Frost, der an manchen Tagen 30° unter Null erreichte, und zunehmenden Entbehrungen verging schließlich noch die letzte Zeit bis zum heiligen Abend und die ersehnte Ruhezeit begann.... Früherer Arbeitsschluß leitete das Fest ein. Vom Kommandanten erhielt jeder Häftling ein Päckchen Tabak und dazu gehöriges Zigarettenpapier als Geschenk, immerhin eine anerkennenswerte Geste.
Dazu gaben die blauen Thermoskessel ein für solch ungewohnte Gaumen wirklich königliches Essen aus. Fette Blutwurst mit gerösteten Kartoffeln- und beides gottlob in reichlicher Quantität. Die meisten konnten nur noch mit Mühe das Wasser der Begierde im Mund zurückhalten, als den Ausgezehrten der unbeschreibliche Wohlgeruch reeller Kost endlich mal in die Nase stieg.
Zum Abendappell brannte sogar auf dem Platze ein mächtiger Tannenbaum mit elektrischen Lämpchen besteckt, und in Berts Stube hatte Leo Eichmüller, der Alterfahrene, ein liebes kleines Bäumchen selbst geschmückt und zum Essen schon angezündet... weiß der Himmel, von wo er die dünnen roten Kerzen herbeigeschafft hatte.
Nun entspannten sich die zerlittenen Gesichter, von Schmerz und Zorn in hilflosem Übermaẞ zerrissen, vom glühenden Eisen des Leides zerbrannt... denn das war ein Schmaus für Augen und Magen. Endlich einmal eine gehaltvolle, feste Kost verzehren zu können, nicht nur die Winzigkeit suppigen Zeuges, das dem Gedärm kaum etwas an Kraftstoffen bieten konnte.... Und hierzu das bißchen Glanz von dem Bäumchen über den eifrig löffelnden Händen, den gebeugten Gesichtern, die vom Essensdunst erhitzt waren, über die kurz geschorenen Köpfe hingebreitet-- ach, es war doch wenigstens der leise, bescheidene Schimmer einer Festfreude, der über dem Raume schwebte. Die Lichtlein am Baume zuckten wie warme Herzen und mitten in
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