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felten die weiße Ware, die andere zu hohen Wällen auf- getürmt hatten, in die Wagenmulden und mußten mit ihnen im Galopp quer durchs Lager nach der Seite des stillen Tales jagen, wo Bert einst von Ifina stummen Abschied genommen hatte.
Nach solchen Tagen blieb nichts anderes übrig, als sich völlig gedankenlos der großen Mutter Nacht in die geöffneten Arme zu werfen.
Dennoch traf eine Überraschung ein, der es gelang, sie das Insbettsinken vergessen zu lassen, nämlich ein mächtiger Stapel von Briefen war angelangt—— hurrah, nun erfuhr man endlich, wie es um die Lieben und die Heimat stände....
Beobachten wir einmal, wie gänzlich anders ein Gefangener einen Brief von zu Hause aufnimmt, den er erhält, als ein Mensch in der Freiheit: er überfliegt ihn nicht zerstreut; er faßt ihn vielmehr mit aufgerissenen Augen an wie ein Heiligtum und entfaltet ihn mit zitternder Hand. Das Blatt zerreißt fast unter seinem Verlangen, endlich wieder in Kontakt— ach, einen armseligen Kontakt oft nur— mit der begehrten Außen- welt zu kommen. Er möchte. die Handschrift küssen, wenn er allein ist und schlürft den Inhalt förmlich wie einen wunderbaren Heiltrank ein; zieht einige Glanz- stellen, die ihm besonders wohl tun, mit den Blicken immer wieder heraus, um sie von neuem zu lesen und an sich zu drücken in einer Art von Heimatsrausch, dem er mit allen seinen Fasern erliegt—— und schließ- lich birgt er das Papier an seiner Brust mit tränen- feuchten Augen———
Nun wußte auch Bert, daß seine Lieben zu Hause wohlauf seien, gottlob, im Heime selbst sich nichts ver- ändert habe, und die Schwester mit Ifina zusammen eine kleine Gemeinde bilden würde, die in ständigem Ge- denken an ihn aufs beste zusammenhielte.
‚Sei gewiß‘, schrieb die treue Schwester an ihn, ‚daß der Herrgott Dich so wenig wie andere jemals vergessen hat; daß er vielmehr sein großes Ziel mit den Leiden verfolgt, die er Dir jetzt auferlegt— und sie aufheben


