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eine breite Bodenfalte erstreckt sich jedoch die Ort­schaft, die sie nächtlich durchzogen hatten, gleich einer Kette bunter Steinchen im Smaragdfluß der Wiesen. Ein schlichter Kirchturm überragt die Dächlein, und weiter unten erhebt sich ein zweiter mit vermorschtem Zifferblatt an seiner Uhr. Alle Anwesen, von hier oben betrachtet, sind mit der peinlichen Sauberkeit der Ar­mut wie kahl geleckt, nur winzige Stallungen daneben, auf den Wiesen kaum ein Dutzend weidender Gänse. Doch das Geläut von Kuhglocken kommt von irgendwo her aus der Tiefe....

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Darüber aber, auf dem nackten, kurzen Bergkegel, der wie eine abrupte Warze aus dem Antlitz der Land­schaft hervorragt, stemmt sich wieder die Gegend weit beherrschend die grandiose Burgruine aufwärts, die Mauern des Wohnhauses dem Himmel offen, wetter­geschwärzt und vor ihnen der wuchtige Bergfried, vierkantig und kraftgeballt wie eine drohend empor­gereckte Faust. So ragt sie auf wie das zu Stein gewor­dene Prinzip der Gewalttätigkeit und der Barbarei. Ein Hauch der rauhen Zeiten der Vergangenheit schwebt noch um ihre robusten Mauern.

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Als Kontrast zu diesem Denkmal feudaler Selbst­herrlichkeit gruppiert sich zur Linken auf einer sanften Berglehne die Kolonie der SS.- Offiziere, die zum Lager gehören, der Zwingherren von heute; architektonisch reizvolle, rotbraun gestrichene Blockhäuser, in Farbe und Formgebung vorzüglich dem Landschaftsbild an­gepaßt. Das milde Licht des Herbstes breitet einen ver­söhnlichen Schimmer der Lieblichkeit über die beschei­dene Flur. Es nimmt sich aus wie das resignierte Lä­cheln einer Scheidenden.

Bert und Täubler sogen wie eine seelische Erholung die Eindrücke ein, die sich ihnen hier boten.... Da nahte blitzschnell und geräuschlos das Verhängnis: erst bekam Täubler mit äußerster Wucht einen Tritt mit benageltem Stiefel ins Gefäß, daß er ins Taumeln geriet. Bert sah gerade noch den großen, schweren Mann in zitternder Erregung sich umdrehen, dabei in die zähne­8 Conrady, Amokläufer.