Individuum war, brachten wir ihn immer wieder zu Fall, was für ihn stets mit Pfahlhängen oder Prügelstrafe endete. Doch immer wieder griff die SS. auf ihn zurück, und da er ein Unbelehrbarer war, begann wieder unser Kampf gegen ihn. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde Knoll standrecht­lich erschossen.

Dieselbe grausame und renegate Figur war der Lagerälteste Karl Kapp , ebenfalls aus Nürnberg . Auch gegen ihn führten wir einen erbitterten Kampf, doch mit weniger Erfolg, da er bei der SS. zu gut im Sattel saß. Er machte Henkersdienste. Wenn irgendwo ein polnischer Zivilarbeiter erhängt werden sollte, weil er sich mit einem deutschen Mädchen eingelassen hatte, dann wurde er öffentlich erhängt und Kapp spielte den Henker. Er hatte viel zu tun und wurde von der SS. mit dem Personenwagen von Galgen zu Galgen geführt.

Wir aber, die wir aufrecht blieben, führten einen unerbittli­chen Kampf gegen diese Elemente und wir schreckten auch nicht davor zurück, diejenigen, die sich dann gewöhnlich auch als korrupte Elemente entpuppten, eben unter Ausnutzung ihres korrupten Verhaltens zu erledigen. Auf der anderen Seite war es uns als politischen Gefangenen möglich, manches Gute zu tun, wodurch den übrigen Gefangenen, den Ausländern, Juden usw. das Leben im KZ. Dachau wesentlich erleichtert wurde.

Uebertreibungen

In diesem Zusammenhang ein Wort über die in letzter Zeit erschienenen Zeitungsberichte und Nachrichten aus den KZ.­Lagern. Es ist so, daß die Phantasie eines Menschen kaum ausreicht, eine Greuellüge zu ersinnen, die gräßlicher wäre als das, was von den Nationalsozialisten und SS.- Bestien in den KZ.- Lagern begangen worden ist. Trotzdem begegnet einem manchmal in Berichten über die KZ. eine Behauptung, die un­möglich wahr sein kann. So las ich zum Beispiel über das KZ. Belsen, daß eine hundert Meter lange Grube ausgehoben worden sei, in die man eine eiserne Röhre gelegt habe zum Zwecke, aus dem dortigen Krematorium das Fett der verbrann­ten Gefangenen aufzufangen und abzuleiten, damit das Fett industriellen Zwecken zugeführt werden könne. Das ist dum­mes Zeug, denn Gefangene, die in den KZ. waren und in den

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