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uns wußte, ob und wann ihm je die Freiheit winken würde. Auf Gedeih und Verderb waren wir an die SS. ausgeliefert
- und viele meiner Kameraden haben die Heimat nie wieder ge-
sehen.—
Im Schneesturm auf dem Appellplatz
Am 13, Januar 1939 in der Frühe desertierte ein Zigeuner aus seinem Arbeitskommando und versuchte, in die Freiheit zu gelangen. Sofort mußten sämtliche Arbeitskommandos im Marsch-Marsch ins Lager zurückkehren, auf dem Appellplatz blockweise zur Zählung antreten und die Mitteilung entgegen nehmen, daß ein Zigeuner geflüchtet sei und daß- wir solange auf dem Appellplatz stehen bleiben würden, bis der Zigeuner wieder zurückgebracht sei.
Nun muß man wissen, daß einige Monate vorher, im Novem- ber 1938, anläßlich der Ermordung des Botschafters vom Rath in Paris durch den Juden Grünspan eine Verhaftungswelle über die jüdischen Volksteile Deutschlands hereinbrach, wobei sämtliche erreichbaren Juden verhaftet und ins KZ. verbracht wurden. Im Januar 1939 befanden sich im KZ. Dachau zirka 18000 Juden. Auch diese 18000 Juden mußten zum Zähl- appell antreten.
Wir standen in grimmigster Kälte von morgens 10 Uhr ohne Unterbrechung bis nachts 12 Uhr auf dem Appellplatz. Keine Nachricht von dem Entwichenen. Am anderen Tage um 6 Uhr morgens standen wir immer noch auf dem Appellplatz. Ge- nau so um 12 Uhr mittags. Am 14. Januar abends 8 Uhr wurde der Zigeuner zurückgebracht und wir durften wegtreten.
Die ganze Zeit hindurch standen wir in grimmiger Kälte und im Schneesturm auf dem Appellplatz. Wir, die wir die Dach- auer Winter kannten, waren mit Mänteln und warmer Unter- kleidung ausgerüstet, weil wir es verstanden hatten, uns solche zu organisieren. Die 18000 Juden aber standen auf dem Platz, nur bekleidet mit Holzsandalen, einem Paar Strümpfe, einem Hemd, einer Unterhose, Drillichjacke und Drillichhose. Ihnen fehlte die Mütze, Ohrenwärmer, Handschuhe, Mantel— über- haupt alles Wärmende. Die Folge war, daß mehr als 60 Lei- chen auf einem Berg auf dem Appellplatz lagen, als wir end- lich nach anderthalb Tagen wegtreten durften.
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