An den Folgen dieser Nacht sind im weiteren Tausende und Abertausende von Juden elend zugrunde gegangen. Sie starben wie die Fliegen an Grippe und Lungenentzündung. Es mußte damals im KZ. Dachau ein besonderes Totenaufräumungskom- mando geschaffen werden; dieses Kommando erhielt einen Autoanhänger von 5 Tonnen, der mit einer Deichsel versehen wurde und von 18 Juden unter Begleitung eines Kapos durch das Lager geschoben werden mußte. In jedem Block wurde gefragt, ob wieder Tote vorhanden seien. Die vorhandenen Toten wurden dann nackt auf den Anhänger geworfen und am rechten großen Zehen wurde ein Zettel mit dem Namen und‘der Gefangenen-Nummer befestigt. Jedesmal, wenn der Anhänger voll war, wurden die Leichen ins Krematorium ge- führt, dort auf einen Haufen geworfen und verbrannt.
Dieses Totenaufräumungskommando mußte damals wochen- lang jeden Tag mehrere Male durch das Lager fahren. So elend sind die Juden im KZ. Dachau zugrunde gerichtet worden.
Der Fall vom Rath
Es wird nun Zeit, daß ich eine Tatsache berichte, die ein mehr wie eigenartiges Licht auf das Tun der Gestapo wirft.
Am Morgen des 1. November 1938 erhält das Lager den Befehl, die hinteren Blocks zu räumen, und die vorderen Blocks wurden dichter belegt. Wenn wir zuvor einen Wohn- und Schlafraum mit 52 Mann bewohnten, so wurden jetzt 136 hin- eingesperrt.
Wir waren baß erstaunt ob dieser Maßnahme und folgerten daraus, daß eine neue Verhaftungswelle über das deutsche Volk hereinbrechen würde. Wir sahen gespannt den Dingen entgegen, die da kommen würden.
Die Tage vergingen, ohne daß Zugänge gebracht wurden.
Da, am 7. November 1938, wird in Paris der Gesandtschafts- rat vom Rath durch den Juden Grünspan ermordet.
Am 8. schon kamen die ersten Zugänge. Es ging wild her, wilder denn je. Es war ein Schreien und Toben, ein Schlagen und Treten und das Blut floß in Strömen. Die SS. -Leute des ganzen Lagers feierten Orgien des Sadismus. Von Tag zu Tag steigerten sich die Zugänge, um erst nachzulassen, als nahezu 19000 Juden eingeliefert waren.
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