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Der Todessprung
Ein anderer Sport der SS., bei dem wir oft zusehen mußten, war es, auf dem Gerüst hoch oben den nächstbesten Gefange- nen, der nichts ahnte, so ins Gesicht zu schlagen, daß er kopf- über vom Gerüst herunterstürzte und sich das Genick brach. Kein Hahn krähte danach, wieviel Juden das Arbeitskommando Wirtschaftsbau täglich verbrauchte, und kein Mensch kümmerte sich darum, ob diese Leute zu Recht oder zu Unrecht starben.
Kein SS. -Mann machte gich ein Gewissen daraus, einen Juden auf irgendeine Art ünd Weise bestialisch zu Tode zu quälen.
Wir haben es erlebt, daß im Winter einem Juden befohlen wurde, aus dem dritten Stock des Baugerüstes auf die Eis- decke des neben dem Bau befindlichen Sees der Kiesgrube hinabzuspringen, nur damit die SS. -Männer erfuhren, ob das Gewicht des Juden ausreiche, die Eisdecke zu durchschlagen. Die SS. -Männer schlossen Wetten ab; die einen wetteten, daß der Jude die Eisdecke durchbrechen werde, die anderen wette- ten, daß sein Gewicht nicht ausreiche, Und damit diese Wette ausgetragen werden konnte, mußte der Jude sterben. Als er nicht springen wollte, wurde er gepackt und hinabgeworfen. Die Eisdecke wurde durchschlagen, und die zweite Gruppe der SS. -Männer hatte ihre Wette verloren— unter dem gellenden Hohngelächter derer, die die Wette gewonnen hatten.
Beim Lageraufbau wurde zu gleicher Zeit auch die Um- randung des Lagers mit fertiggestellt. Außerhalb des Lagers fließt die Amper, dann folgt ein Fußweg und dann ein 2,50 m hoher Stacheldrahtzaun, hierauf erneut ein Fußweg, darauf der elektrisch geladene Stacheldrahtzaun. Dann kommt ein 3 m tiefer Wassergraben, der jederzeit aus der Amper gefüllt wer- den konnte. Und hieran schließt sich ein 6 m breiter Grün- streifen. Es folgt alsdann die kleine Lagerstraße, und dann beginnen die Blocks.
Der 6 m breite Grünstreifen durfte von den KZ.-Häftlingen nicht betreten werden. Wer ihn betrat, befand sich auf der Flucht und wurde ohne Anruf erschossen. Die uns damals be- wachende Totenkopf-SS., Burschen von 18 bis 19 Jahren, folgte
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