den wir Neuzugänge herausgerufen, unsere Leidenszeit begann. Wir waren in völlig neue Gefangenenkleidung gesteckt worden und mußten als Erstes Strafexerzieren. Der achthundert Meter breite Appellplatz mußte von uns kriechend durchmessen wer­den. Danach mußten wir den Appellplatz im sogenannten Froschhüpfen überwinden. Hierbei brach mancher von uns er­schöpft zusammen und lag bewußtlos auf dem Platz. Bereit­gestellte Juden mußten daraufhin eimerweise kaltes Wasser auf die Bewußtlosen schütten, bis sie wieder zum Bewußtsein erwachten. Dann wurden sie mit Fußtritten und entsicherter Pistole aufgetrieben und bedroht, daß sie andernfalls erschos­sen würden. So ging es den ganzen Vormittag. Als wir end­lich nachmittags zum Essen wegtreten konnten, waren wir völlig außerstande, auch nur einen Bissen zu uns zu nehmen, so erschöpft und ausgepumpt waren wir.

Nach dem Essen wurden wir von neuem herausgerufen und das Strafexerzieren wurde fortgesetzt. Diesmal mußten wir uns auf der Erde wälzen, Purzelbäume schlagen und im Marsch­Marsch um den Appellplatz rasen. Dabei wurden wir von einer Horde SS.- Männer begleitet oder vielmehr mit Gummi­knüppeln, Hundepeitschen oder Farrenschwänzen vorwärtsge­peitscht. Sie schlugen erbarmungslos auf uns ein und bald waren wir mit blauen Striemen förmlich überzogen. Keiner war unter uns, der nicht blutete. Unsere Knie waren kaputt und ebenso zerschunden waren Ellenbogen und Hände.

Als endlich am Abend das Strafexerzieren sein Ende fand, da war die neue Uniform, die wir tags zuvor empfangen hatten, total in Fetzen. So ging man in Dachau unter dem Naziregime mit deutschen Menschen und mit dem deutschen Volksver­mögen um. Aber diese Herren konnten sich das leisten, denn die Schutzhaftgefangenen mußten ja von morgens früh bis abends spät im Rekordtempo arbeiten, ohne einen Pfennig Geld dafür zu erhalten.

Das wahre Gesicht des Faschismus

Am nächsten Tage wurden wir in Arbeitskommandos einge­teilt und fingen mit der Arbeit an.

Nun muß ich, um das Gesicht des Faschismus genauer zu kennzeichnen, auf folgendes hinweisen:

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