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Hinter Gittern : Gedichte / von Otto Müller
Entstehung
Seite
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Wir haben gar manchen zu Grabe gebracht, Das letzte Geleit ihm gegeben.

Und mancher verkam in die Erde verkrallt, Zerfetzt und zerschossen im Feld und im Wald.

Wir sahen gesammeltes Menschenglück

In Rauch und in Flammen vergehen.

Die Mauern zerbarsten vor unserem Blick,

Ein ragendes Kreuz nur blieb stehen.

Ein feuerversengter, geschundener Hund

Schlich winselnd und klagend ums Trümmerrund.

Wir liefen auf Straßen in drängender Flut Von Furcht und von Schrecken getrieben In Bündeln das letzte gerettete Gut,

Das letzte das uns geblieben.

Ein Kindlein verlassen am Wege stand Wer hat seinen Vater, die Mutter gekannt.

Doch endlich der grausige Wahn zerstob,

Vom Urteil des Schicksals getroffen.

Und bleibt auch noch immer ein Wenn und ein Ob Wir wagen doch wieder zu hoffen,

Daß endlich von Zwietracht und Krieg belehrt Die Menschheit zur Einheit, zum Lichte sich kehrt.

Und wie nach dem eisigen Winter der Saft In Busch und in Baum drängt zum Leben, So wollen wir neu und mit frischer Kraft Das Banner der Menschheit erheben.

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Daß es|