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Hinter Gittern : Gedichte / von Otto Müller
Entstehung
Seite
14
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Bald ist der schimmernde entschwunden Schon herbstlich schmückt sich die Natur Und hat mir keinen Kranz gewunden Aus Blumen, reicherblühter Flur.

Und doch läßt mich sein Scheiden trauern, Wenn er auch meiner nicht gedacht,

Weil Kerkergitter Schloß und Mauern Um meine Freiheit mich gebracht.

Denn jede Stunde, ungenossen,

Die Sonne, Schönheit uns gewährt Ist wie der Wein, den wir vergossen Eh wir ihn in den Mund geleert.

IV.

Sprach zur dunkelroten Rose Zärtlich kühn der Morgenwind: Ruhest in der Blätter Schoße Wie ein wohlbehütet Kind.

Möchte dich so gerne küssen, Bin in heißer Lieb entbrannt Doch die Blätter zahnumrissen Hüten deiner Lippen Rand.

Willst du nicht mit mir entfliehen? Trüge dich so gerne fort!

Wo die Silberwolken ziehen

Weiß ich einen stillen Ort.