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gedauert, bis man dahinter kam, daß es sich hier um Sprue handelte, und die Sprue als eigentliche beherrschende Theresienstädter Erkrankung anzusehen ist. Diese Erkenntnis kam uns sehr spät, aber es hätte wenig geholfen, wenn die Erleuchtung früher gekommen wäre, da die angezeigte Therapie doch nicht durchführbar gewesen wäre. Interessant ist, daß es für die pathologische Physiologie der Erkrankung" anscheinend das Gleiche bedeutet, wenn, wie in Theresienstadt, Fett fast nicht zugeführt wird, oder wenn aus irgendeinem Grunde der Darm die Fähigkeit verliert, Fett zu resorbieren. Die übliche Therapie der Sprue besteht in der Zuführung hochwertiger Eiweißstoffe, Verminderung der Kohlehydrate und Zufuhr vitaminreicher Nahrung( besonders Bananenkur) 6). Es soll aber auch die Obstzufuhr bisweilen versagen.
Die hyperchrome Anämie, welche für die sprueähnlichen Erkrankungen charakteristisch ist, die engen Beziehungen zur perniciösen Anämie, mit rapider Abnahme des Hämoglobin- Gehalts und der Erythrocytenzahl( so häufig und so stark, daß in Theresienstadt amtlich verboten wurde, Leber und Leberpräparate an
6) In der Literatur findet sich die bemerkenswerte Angabe, dass in Costarica die Stadtbewohner, deren Hauptnahrung Brot ist, an Sprue erkranken, während die Farmer( mit vorwiegender Bananennahrung) von der Erkrankung frei bleiben.
Die nervösen Erscheinungen im Sprue- Komplex sind folgende:
1. Tetanieartige Erscheinungen; die in naher Beziehung zum BERGELschen Komplex stehen; zeitweise Unmöglichkeit, die Finger im Sinne der intendierten Bewegung zu benutzen, Stellung in Geburtshelferstellung, athetotische Bewegungen.
2. Krampfbereitschaft der Beinmuskeln bei falschen oder forcierten Bewegungen, auch schon beim Knien.
3. Dysphagien , störungen der intendierten Schluckbewegung. Es besteht zeitweise ein klonischer Krampf der Speiseröhre, der mit knurrenden und glucksenden Geräuschen verbunden ist, die auch von anderen Personen wahrgenommen werden können. Ein Teil der Nahrung, z. B. von Fleisch, aber auch Graupen, Brot, wird nicht durch den Schlingakt in den Magen überführt, sondern bleibt stecken und reizt, oft erst nach längerer Zeit, zu Hustenanfällen, die sehr stark sein können und keine Neigung haben, spon tan aufzuhören. Es kommt dann zu Hustenparoxysmen von keuchhustenartigem Charakter, die sich bis zum Glottiskrampf steigern können. Diese unausgesetzte Reizung kann zu Tracheitis und Bronchitis führen, und es ist ausdrücklich festzustellen, dass nicht eine Tracheitis den Husten auslöst, sondern umgekehrt der fortgesetzte Husten die Tracheitis und Bronchitis. 4. Meist besteht auch der BERGELsche Symptomenkomplex mit vermehrter Speichelsekretion. Charakteristisch ist die Neigung zum Verschlucken bei der Nahrungsaufnahme. Dieses Verschlucken ruft wieder die oben geschilderten Hustenparoxysmen hervor. Das Verschlucken erfolgt auch am eigenen Speicnel und auch nachts, ein Zeichen, wie schwer der normale Schluckakt geschädigt ist. 5. Atonie der Cardia. Sie kann so erheblich sein, dass die orale Zufuhr von Arzneimitteln unmöglich wird, weil der Geschmack von Eisenpräparaten, Luminal, Codein etc. dauernd auf der Zunge verspürt wird.
6. Lähmungsartige Parese des Gaumensegels, so dass andauernd Nahrungspartikel, Brot, Spinat u. a. in die Nase gelangen und schnell durch Niesen, langsam durch Schnäuzen, aus der Nase entleert werden. In der bekannten Bluttafel der Nordmark- Werke ist bei Sprue und Cöliakie U. a. angegeben: Magen- Darmblutungen, keine Achylie, klopfempfindliche Knochen( Sternum Kippen), oft atypisches Fieber, regelmässig Milz - und Lebertumor. Im Urin Urobilin+ Urobilinogen+ Eiweiss, Milz- und Lebertumor, Eiweiss im Urin, Magen/ Darmblutungen waren bei unseren Fällen kein häufiger Befund, dafür war die Achylie die Regel. Die Knochenempfindlichkeit ist eine Andeutung der bei uns so häufig beobachteten schweren Symptome von Ostéoporose!
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