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trug. Beim Aufsetzen des Höhrrohrs auf den Thorax mußte man sich vorsehen, daß man nicht eine Rippenfraktur herbeiführte, und auch bei den Röntgenuntersuchungen ist es mehrfach vorgekommen, daß bei der Lungenuntersuchung Rippenbrüche herbeigeführt wurden, wenn der Untersucher den Patienten in die verschiedenen Durchleuchtungsebenen biegen wollte. Wir hatten lange die Osteoporose als Krankheit sui generis aufgefaßt, bis uns ihre engen Beziehungen zur Sprue klar wurden. Wir kommen bei der Sprue auf die Osteoporose zurück.
Die üblichen Infektionskrankheiten, besonders Scharlach und Diphtherie, waren in Theresienstadt häufig, auch Kombinationen beider Erkrankungen. Antitoxisches Serum stand ausreichend zur Verfügung, und der Diphtherieverlauf war im allgemeinen nicht sehr abweichend von dem, was man sonst zu sehen gewohnt ist. Dagegen waren die Nachkrankheiten, besonders die Gaumenlähmungen, häufiger, und ihre Abheilung zögerte sich besonders lange hin. Ebenso wurden toxische Herzschädigungen auffallend häufig beobachtet. Keuchhusten war ausgesprochen selten, Mumps dagegen war häufig, und bei Erwachsenen vielleicht öfter als sonst mit Orchitis kombiniert.
Ende 1943 und im Jahre 1944 gab es eine sehr ausgebreitete Epidemie von Enzephalitis. Die Epidemie hatte keinen ausgesprochen bösartigen Charakter und führte in der Mehrzahl der Fälle zur völligen Ausheilung. Allerdings wurden auch leichte Fälle, bei denen die Diagnose nur mit subtilsten neurologischen Methoden gestellt werden konnte, mit dauernder Bettruhe behandelt. Der Flecktyphus wurde erst kurz vor dem Zusammenbruch im April 1945 in das Lager eingeschleppt. Es war eine große Epidemie, bei der auf dem Höhepunkt der Epidemie täglich 30 Neuerkrankungen zur Einlieferung kamen, deren Zahl dann allmählich auf 4-5 täglich zurückging. Die Epidemie kam so plötzlich. daß eine Impfung der behandelnden Ärzte und des Pflegepersonals nicht mehr vorgenommen werden konnte. Da auch sonst die üblichen Vorsichtsmaßregeln nicht durchgeführt wurden und zum Teil vielleicht auch nicht durchgeführt werden konnten, ist die Zahl der erkrankten Ärzte und des Pflegepersonals eine erhebliche gewesen. Es sind eine größere Anzahl auch von Kollegen und Schwestern noch zum Schluß der Seuche zum Opfer gefallen, allerdings ist auch sogar ein 67jähriger Kollege am Leben geblieben.
Die Mortalität bei unserer Fleck fieberepidemie war relativ günstig und betrug nur 15-20%. Es ist dies besonders bemerkenswert, wenn man in Betracht zieht, in welchem Zustand verminderter Resistenz gegenüber Infektionen sich die Lagerinsassen befanden.
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