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Über Mangelerkrankungen auf Grund von Beobachtungen im Konzentrationslager Theresienstadt / A. Wolff-Eisner
Entstehung
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sion darüber vernachlässigte. Wie ich mich inzwischen überzeugen konnte, ist das bei der jüngeren Ärztegeneration nichts Unge­wöhnliches. Auch Laboratorien für die gewöhnlichen Untersuchun­gen waren in ausreichender Zahl vorhanden. Aber es fehlte die Möglichkeit, subtilere Untersuchungen durchzuführen. Das Ge­sundheitswesen lag in der Hand jüngerer, tschechischer Kollegen, die es nach dem ,, Führerprinzip" verwalteten und ihnen waren wissenschaftliche Bestrebungen nicht erwünscht. Und dazu kam noch das von der Nazi- Regierung uns auferlegte Verbot, bakterio­logisch und serologisch zu arbeiten! So wird jedem klar sein, unter welchen Schwierigkeiten und Hemmnissen der Versuch umgeben war, etwas für die wissenschaftliche Erkenntnis zu retten.

Die Theresienstädter Krankheiten kann nur verstehen, wer sich mit dem Boden vertraut macht, auf dem sie erwuchsen. Es ist ein Irrtum, wie ich schon erwähnte, wenn man annimmt, die Erkran­kungen seien im wesentlichen durch die Alterszusammensetzung bedingt. Von deutschen Staatsangehörigen waren in Theresien­stadt zwar ganz überwiegend alte Leute, aber Theresienstadt war auch das Kz für Tschechen, und zwar für alle Altersstufen. Dazu kamen die Evakuierten aus Holland und Dänemark . Theresien­stadt machte, wenn man durch die Straßen ging, nicht den Ein­druck einer deutschen Stadt, und der Bevölkerungsanteil der ., alten Leute" oder, wie man dort so schön sagte, der_ ,, Über­alterten" war etwa ein Drittel.

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Wer aus Deutschland nach Theresienstadt kam mehr oder weniger gilt das auch für die Evakuierten anderer Länder- hatte schon eine lange Zeit schwerster psychischer Emotionen und er­heblicher Unterernährung hinter sich. Man erinnere sich, daß die zugebilligte Kalorienmenge für niemand in Deutschland allzu groß war, aber wir hatten schon viele Monate hindurch, Obst, Fleisch, Gemüse und dergleichen völlig entbehren müssen. Hat doch schon 1941 auf Grund der Lebensmittelkarten in Frankreich HINGLAIR 2) folgende Defizite festgestellt:

6-8 Jahre täglich 8-12 Jahre täglich

Ca 0,27-0,47 g 0.47-0.66 g 1,35 g 2,80 g

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Man mußte bei uns also mit einer herabgesetzten Widerstands­fähigkeit rechnen. Dazu kam der meist sehr betrübliche Zwischen­aufenthalt in den sogenannten Auffanglagern, der oft 4-6 Wochen und länger dauerte, und ein Transport, dessen Beschreibung den Lesern erspart bleiben soll, und der viele Menschen aufs schwerste

2) H. u. M. HINGLAIR, Sur la carence grave du régime actuel. Presse méd. 1941, I. S. 694.

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