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Die Gesundheitsverhältnisse im Kz Theresienstadt
Wenn man in den wissenschaftlichen Gesellschaften Krankheits - fälle vorstellt, so geschieht dies zu dem Zwecke, seinen Kollegen und eventuell der Nachwelt bei der Diagnostik und Therapie der hetreffenden Krankheiten an die Hand zu gehen. Da wir alle hoffen, daß das Unglück der Konzentrationslager sich nicht wieder- holt, könnte es überflüssig erscheinen, von den Kz-Krankheiten zu sprechen, und damit„den unermeßlichen Schmerz zu er- neuern“. Aber diese Auffassung würde doch nicht ganz die richtige sein. Das ungeheure Menschenexperiment, das die Konzentra- tionslager darstellten, kann Ja nicht wiederholt werden, und was wir dort ärztlich sahen, ist durchaus geeignet, unsere klinischen Auffassungen über Krankheiten in vielen Punkten zu modifizieren und zugleich unsere Kenntnisse der„normalen“. Krankheiten zu erweitern. So glaubte ich, als ich 1945 diese meine Beobachtungen niederschrieb. Der Papiermangel hat bewirkt, daß sie erst spät zur Veröffentlichung kommen konnten. Inzwischen haben sich in_ großen Teilen Europas die Ernährungsverhältnisse so gestaltet, laß sie mit denen der Konzentrationslager große Ähnlichkeit auf- weisen. Wenn die Beobachtungen auch heute nicht nur historischen Wert besitzen, so ist dies dadurch bedingt, daß die Mangelkrank- heiten in Theresienstadt so unverhüllt sich dem ärztlichen Blick präsentierten. Fehlten dort doch für die Mehrzahl der Insassen jene Ausweichmöglichkeiten, wie sie heute vielfah in„Beziehungen zum Lande“, ja selbst im Besitz eines Schrebergartens vorhanden sind.;
Auch dort gab es einen„Schwarzen Markt“, wohl zum größten Teil durch Unterschleife, die von den eigenen Leidensgenossen verübt wurden, gespeist. Geld war auch dort eine große Macht für den, der es gewagt hatte, welches mitzubringen und dem es selungen war, dieses durch die„Schleusenuntersuchungen” und dergleichen durchzuretten. Die folgenden Mitteilungen werden erkennen lassen, daß dies vielen Insassen nicht gelungen war.
Eines sei im voraus ausgesprochen: Jeder Arzt, der nad Theresienstadt kam, mußte vollkommen umlernen. Fast alle Krankheiten verliefen anders, als man es gewohnt war, und es mußte sich dort geradezu eine„medicina Theresiana“ entwickeln.
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