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Memorial / Günther Weisenborn
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bei sie mit dem Kopf auf das ,, hübsche Weib" wiesen. Sie ahnten nicht, daß es meine Frau war, daß sie zwei Tage gereist war, um einige Blicke auf diesem einsamen Bahnsteig mit mir tauschen zu können.

Wir waren wie entrückt. Der Bahnsteig lag nicht mehr in dieser Welt. Es war ein Ort des ewigen Wiedersehns, der Verlorenheit und des Sichfindens geworden. Nie hat mein Blut so heftig geklopft, nie war ich so bitterlich verzweifelt. Da begann sie zu pfeifen, wie ein einsames Mädchen aus Langeweile so vor sich hinpfeift. Aber es war eines unserer Lieder, das dünn und zitternd über den Bahnsteig dahergeweht kam. Ich stand wie betäubt, dann als sie aufhörte, pfiff ich die Melodie weiter, leise und fast unhörbar. Paul, der Bibelforscher, stieß mich rauh an: ,, Laß das besser!"

Der Oberwachtmeister blickte mit seinen grauen Stein­augen träge zu uns herüber: ,, Pfeift da jemand von Euch?"

,, Nein", sagte ich, und damit sie meine Stimme hören sollte, setzte ich hinzu: ,, Nein, Herr Oberwachtmeister!" Wir hatten uns ein Jahr lang nicht gesehen. Dann kam der Zug, ein letzter Blick, und wir sahen uns ein Jahr lang nicht mehr.

Richard sagte zu mir: ,, Es ist aus." Er war ein wenig blaß, und seine Hände steckten gelassen in den Hosen­taschen. Ich wollte es nicht glauben.

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