Ich werde nie vergessen, wie ich einmal kurz vor Weih­nachten nach Opladen fuhr, in mein Heimatstädtchen. Ich war damals noch Student in Bonn oder schon ein junger Schriftsteller in Berlin . Jedenfalls hatte ich bereits den Kopf voll von hoffärtigen Plänen, voll Ferne, voll Welt. Ich bog mit meinem armseligen Koffer in die Gartenstraße ein, als ich schon von weitem meine Mutter erblickte. Ich hatte sie ein Jahr lang nicht gesehen, und ich erschrak tief.

Sie kam zart und schmal und grau mir entgegen, ein glückliches Lächeln in ihrem blassen Antlitz. Sie war da­mals bereits von ihrer letzten Krankheit gezeichnet und ich erkannte es plötzlich. Die hoffärtigen Pläne, die Ferne, die Welt versanken im Nu. Ich erkannte an ihr die Auf­opferung aller Mütter, ihre Güte, ihre leise Verschwen­dung an die Söhne, ihr großes Leid und ihr kleines Glück. Sie würde nicht lange mehr auf Erden wandeln, aber sie lachte unbeschreiblich, als sie mich sah, und sie streckte mir beide Arme entgegen. Dann war ich heran, und sie sagte nichts als:

,, Da bist du ja, mein Junge." Das sagte sie immer.

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Die Zellentür wird aufgerissen( wie weich die schweren Türen sich öffnen, wie Geldschranktüren). Der Wachtmei­ster brüllt: ,, Raus! Zur Vernehmung!"

Ich gehe mit ihm durch den endlosen Flur des Span­ dauer Gefängnisses. In einem Bürozimmer sitzt ein- Zivi­

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