Körper bildeten eine unförmige Gestalt im rötlichen Ker­zenschein. Ich habe selten etwas so Trauriges gesehen wie diese beiden weinenden Frauen. Sie sahen nichts, sie hatten die Welt vergessen, sie weinten über ein Leid, das ich nicht kannte. Ich würde sie niemals wiedersehen. Ei­nen Augenblick aus einem fremden Leben hatte ich beob­achtet und ging weiter, fremd und unbekannt.

W

H

V

Mein letzter Kassiber war geplatzt. Einer der rabia­testen Wachtmeister, ein junger brutaler Moselaner, hatte ihn unterwegs abgefangen und gelesen. Er trat mit dem Papier in meine Zelle ein, es war Sonntagmorgen, sah ich an seiner Uniform, und er roch ein wenig nach Schnaps. Ich sah sofort, daß er mich provozieren wollte. Er wußte, daß mir ungeheuer viel daran liegen mußte, daß dieser Kassiber nicht ans Gericht kam. Bisher kannten nur zwei diesen Kassiber, er und ich. Und wir waren beide allein in meiner Zelle. Er war nicht groß, schmal, aber aggressiv, gerissen und etwas betrunken. Seine Pistolentasche war nicht aufgeschnallt. Der Kassiber lag offen auf dem Zel­lentisch, er stand an der offenen Tür, ich unter dem Fenster, wie es die Vorschrift erfordert ,,, in strammer Hal­tung, die Hände an der Hosennaht." Ich hatte gemeldet, wie es die Vorschrift erfordert, und nun betrachteten wir einander haẞerfüllt.

,, Haben Sie das geschrieben?" ,, Ja."

68