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Das geläufige Entsetzen ist rasch, ein kalt dahinflü­gelnder Minutenschauder, das andere Entsetzen kann Mo­nate dauern. Es gibt ein Entsetzen, das nicht vorüber­geht, einen eisernen, schwarzen Krampfzustand, der dem Einsturz aller Hoffnungstrakte folgt. Es klinkt nicht groß auf, es windet sich grinsend durch die schwerste Kerker­tür, wenn dir allmählich nach einer Vernehmung klar wird, daß dein Leben verloren ist, daß du, ein gesunder, noch junger Mensch, ungebrochen, liebend, atmend, war­men Leibes, nur noch Wochen lebst, daß du dich in dei­nem Lebensabend befindest, ungewollt, plötzlich und un­versehens, daß du gefällt wirst, eh du blühtest.

Das andere Entsetzen ist jene fahle Erstarrung, die sich unter dem Eis der Energie an dein Herz heranmacht. Sei nur energisch, sei nur gelassen, wenn sich die Tür öffnet, aber wenn sie geschlossen ist, was geschieht dann? Da rennt so ein winziger Mensch ohnmächtig in seinem Verließ herum, stampft schreckdurchzuckt mit dem Fuß auf, hämmert seine Fäuste gegen die Wand, schlägt seinen Kopf an die Mauer und steht mit aufgerissenen Augen, stammelt: ,, nein, nein!" steht reglos in der hereinfallen­den Dunkelheit, erstarrt vor Panik, wischt sich zuweilen den Angstschweiß von der Stirn und stöhnt. Stöhnt wie ein Tier. Es ist die Angst der Wehrlosen, denn Wehrlo­sigkeit, Opfer zu sein, Schlachtopfer, ist fürchterlich.

Sie können hereinkommen und dich schleppen, wohin sie wollen. Sie können tun mit dir, was sie wollen. Du bist schwach, gefesselt, allein. Sie sind stets mehrere, stark und bewaffnet. Sie heben dich hier auf für ihren Entschluß. Du liegst hier im Safe, im Tresor wie eine

Weisenborn, Memorial 4

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