Schuldsumme. Es sind viele Safes da, ringsum, und in jedem ist ein Opfer aufbewahrt, ein Schlachtopfer voller Unruhe, voller Panik, voller Lebenshunger. In allen Zellen rennt es, hämmert es an die Wand, steht trostlos und blaß vor Entsetzen und stöhnt und starrt zur Tür und wartet. Draußen hallen die Schritte durch den grauen, totenstillen Flur. Zu wem gehen sie? Was bringen sie? Wir sind eine lauschende Gemeinschaft, die gespannte Kameradschaft der Angst, wir haben alle verschiedene Stimmen in dieser verheimlichten makabren Schicksalssymphonie, deren Partitur das Gestapoprotokoll ist. Jetzt befinden wir uns in jener funebren Generalpause, die dem Finale vorausgeht. Jeder Schritt im Flur ist ein dröhnender Hammerschlag in unsere reizbar gewordenen Ohren. Wenn einem Menschen kalt eine Ausflucht nach der andern bei der Vernehmung abgeschnitten worden ist, wenn er sich vor Angst zusammenkrampft wie eine Faust, wenn jenes eiserne Schweigen unter der Decke einer äußeren Gleichmütigkeit beginnt, das ist das Entsetzen, das nicht vorübergeht, das dein Herz einfrostet, das dich mordet vor dem Mord, das Entsetzen des Opfers, das andere, das letzte Entsetzen.
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